Athen mißlingt Befreiungsschlag ! | Alternative Europa Plattform

Athen mißlingt Befreiungsschlag !

7. März 2010
By AJG

Anleiheemission - "Eulen nach Athen tragen"

Eule auf der Akropolis in Athen

Die Redensart „Eulen nach Athen tragen“ (γλαῦκας εἰς Ἀθῆνας κομίζειν, γλαῦκ' Ἀθῆναζε ἡγείσθαι) steht für eine überflüssige Tätigkeit. Sie geht auf den antiken griechischen Dichter Aristophanes zurück, der den Ausspruch in seiner satirischen Komödie „Die Vögel“ vor 2400 Jahren prägte. Dort wird in Vers 301 eine herbeifliegende Eule mit den folgenden Worten kommentiert: „Wer hat die Eule nach Athen gebracht?“

Athen gelangt immer mehr unter Druck. Während Giorgos Andrea Papandreou mit Dr. Angela Merkel am gestrigen Freitag in Berlin vor die Presse tritt und Lobesfloskeln ausgetauscht wurden, berichtet die Financial Times Deutschland über den Durchbruch in der Verschuldungsfrage Griechenlands und den vermeintlichen Befreiungsschlag auf den Deutschland und Europa gewartet hätten. Andere Tageszeitungen wie die FAZ berichten ähnlich von einer Entspannung der Lage.

In der Wochenendausgabe der FTD vom 5. 6. 7.  März 2010 hieß es “Athen gelingt Befreiungsschlag”. Impliziert werden solle Griechenland könne seine Staatsfinanzen selber in den Griff bekommen.  Die Meldung wird belegt durch die angeblich starke Nachfrage nach griechischen zehnjährige Staatsanleihepapieren. So seien innerhalb kürzester Zeit der etwa 5 Milliarden schwere Fond innerhalb des ersten Tages mit etwa dreifacher Nachfrage ausverkauft gewesen. Für die über zehn jährige Laufzeit des Papieres bot der griechische Staat nur 6,25% Zinsen.

Besonders interessant vor diesem Hintergrund ist die Tatsache, dass dem europäischen Ausland mit dieser “undurchsichtigen” Aktion vorgegaukelt werden soll, dass die Griechen sich selbst retten könnten. Ein Ertrinkender der sich selber beim Schopf aus dem Wasser ziehe. Eine Analyse dieser Aktion von durch den griechischen Staat emittierten Staatsanleihen ergab, das es sich lediglich um eine zeitliche Verschiebung des Schuldenproblems in die Zukunft handele.

Zudem ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Käufer dieser Staatsanleihen eben jene selben sind die den Staat um jene Milliarden betrogen haben.  Diese griechischen Vermögens-Singularitäten haben Milliardenbeträge angehäuft und dem Markt entzogen. Für jene Kräfte war es ein leichtes die emittierten Staatsanleihen auf zu kaufen. Griechenland hat sein Vertrauen gegenüber Europa auf Jahrzehnte verspielt. Solange die Käufer der Staatsanleihen nicht genannt werden können, muss auch diesmal davon aus gegangen werden dass die ganze Aktion ein abgekartetes Spiel gewesen sei.

Von den Zinsen leben ohne zu arbeiten, oder wer Geld bekommt soll auch arbeiten!

Der erstere Leitspruch wird gerne von Banken als Werbeslogan angeführt, der zweite taucht immer mal wieder gerne bei Politikern auf, die in Ermangelung einer echten Lösung lieber Stammtischparolen bevorzugen.

Die Sinnhaftigkeit eines Zinses auf Geldvermögen und die destabilisierenden Zusammenhänge einer Volkswirtschaftslehre, ist schwierig zu akzeptieren. Schließlich müsse man einen allgemein akzeptierte Finanzgröße in Frage stellen.  Der Zins ist eine Erfindung die seit dem 14 und 15 Jahrhundert ganze Volkswirtschaften immer wieder in den Abgrund zogen. Die Null und das komfortable Rechnen im Zehner-System ist ebenso jung. Exponentielles Wachstum führe in biologischen Systemen meist zum Kollaps oder Tode.  Immerhin wissen die wissenschaftlichen Disziplinen mittlerweile das die im Umlauf sich befindliche Geldmenge entscheidend für den Handel und die Wirtschaft ist. Leider gibt es neben Volkswirtschaft und Wirtschaftswissenschaft keine wissenschaftliche Disziplin des Geldes und der Währung. Den Volks- und Wirtschafts- Wissenschaften wird immer mehr die wissenschaftlichkeit ab gesprochen, da diese nichts berechnen könnten, alle Prognosen in Dunst und Nebel lägen und keine Lösungen bereit hielten.

Das Geld als Wert erhaltendes Tauschmittel verliert in dem Masse seine eigentliche Bestimmung, indem das Geld nicht mehr zum Tausch, sondern zum Geld Horten verwendet wird. Die Folge ist der zunehmende Entzug des Geldes aus dem Wirtschaftsverkehr und damit ein Zusammenbruch des Handels, wie wir ihn heute erleben.

Dieser Fakt ist unumstritten, was die Flutungen der Märkte mit zusätzlichem Geld der vergangenen Monate beweisen. Die richtige Konsequenz hieraus zu ziehen bleibt aber aus, da diese Konsequenzen allmählich Banken und Geldprodukten den Boden entziehen würde. Dies mag auch der Grund dafür sein dass über diese Thematik so wenig in ökonomisch abhängigen Medien zu erfahren ist.

Würde man eine Geldumlaufsicherungsgebühr einführen könne man viele Probleme der Vermögensungleichverteilung, der Korruption, der gescheiterten parlamentarischen Demokratie, Kriege oder Wirtschaftskrisen lösen. Eine automatische Geldnotenentwertung von 1-2% pro Jahr könnte eine reale Umsetzung sein. Der Staat könnte seine sozialen Aufgaben allein durch die jährliche Neuemission von Geldscheinen äquivalent eben jener 1-2% igen Entwertung bestreiten. Es fielen keine weiteren Steuern an. Allerdings würde sich das Banken und Kreditwesen langfristig auflösen.

Diese Modelle und Lösungsvorschläge sind schon seit über 100 Jahren bekannt und von dem Kaufmann und Währungsexperten Silvio Gesell erarbeitet worden. Damals waren die sozialen Spannungen aber schon derartig fort geschritten, so daß seine Umsetzung in den Wirren der Instabilitäten von Krieg, Hungersnöte und Krise unter gingen.

Auch unsere parlamentarische Demokratie scheint immer öfter zu scheitern. Parlamentarier sind immer mehr damit beschäftigt ihre eigene Machtposition zu erhalten, als dass tiefere Analysen zu finanzwirtschaftlichen Fragen erfolgen. Lieber tradiere man einfachere Parolen nach außen , wie Äußerungen von Merkel, Westerwelle und Roland Koch immer wieder belegen.

Weiterführende Literatur:

Bernd Senf: Der Nebel um das Geld – Zinsproblematik, Währungssysteme, Wirtschaftskrisen – Ein Aufklärungsbuch, Gauke-Verlag, Lütjenburg 1996

Helmut Creutz: Das Geldsyndrom – Wege zu einer krisenfreien Marktwirtschaft, Ullstein-Taschenbuch 34556, Frankfurt/Main, Berlin 1995

Margrit Kennedy: Geld ohne Zinsen und Inflation, Goldmann-Taschenbuch, Wilhelm-Goldmann-Verlag, München 1993

Silvio Gesell: Die Natürliche Wirtschaftsordnung, Gesammelte Werke, PDF download.

Humane Wirtschaft – Zeitschrift für die natürliche Wirtschaftsordnung, Luitpoldstr. 10, 91413 Neustadt a.d. Aisch, http://humane-wirtschaft.de.


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