Sensation, IWF Chefvolkswirt gegen Geldwertstabilität | Alternative Europa Plattform

Sensation, IWF Chefvolkswirt gegen Geldwertstabilität

17. Februar 2010
By AJG

Oliver Blanchard über Inflation und Krieg in der Eurozone....

Der Währungsfonds IWF Chefvolkswirt, Oliver Blanchard, legt den Notenbanken nahe den Weg der Geldentwertung zu gehen. Wie die Süddeutsche Zeitung am 16.2.2010 schrieb sei dies eine radikale „revolutionäre“ Abkehr vom bisherigen Kurs des IWF und der Notenbanken.

In einem Arbeitspapier unter dem Titel „Makroökonomische Politik neu denken“ gingen die Autoren Blanchard und die beiden IWF-Ökonomen Giovanni Dell’Arricia und Paulo Mauro auf die Auswirkungen der Geld-Politik vergangener Monate durch die EZB und der Fed ein.

Die Autoren des IWF-Papieres sind der Meinung dass die Geldwertstabilität ein wenig geopfert werden müsse um eine Deflation zu verhindern. Sie führen hierbei Beispiele aus der Vergangenheit an und analysierten die Weltwirtschaftskrisen von 1923, 1948 sowie den globalen Schwenk der Zentralbanken zur Philosophie der Geldwertstabilität nach Deutschem Vorbild in den 70’er Jahren. Seit dieser Zeit habe sich die institutionelle Marschrichtung der Politik und des Finanzwesens darauf eingeschworen, dass man die richtigen Lehren aus den Krisen gezogen hätte. „Man bräuchte nur Inflationsanzeichen im Keim ersticken, sobald diese auch nur zu ahnen seien“.

Mit dieser Ansicht war man bis Oktober 2008 der Meinung daß man lediglich die Inflationsrate unter 2% halten bräuchte um den Geldwert stabil zu halten. Die EZB und die Fed wählten jedoch nicht das scheinbar Naheliegende, nämlich die Inflation auf null Prozent zu tarieren. Dies habe den Grund, dass wenn das Preisniveau in normalen Zeiten überhaupt nicht steige würden die Preise in schlechten Zeiten weiter zurückzugehen und eine Rezession einleiten. Dies sei noch gefährlicher als eine Inflation.

Die Autoren kommen daher zu dem Schluss dass eine wenig „mehr Inflation“ das Richtige in der Momentanen Situation sei um eine regressiv einmal eingeleitete Abwärtsspirale zu stoppen. Die sogenannte „Unabhängigkeit“ der Notenbanken feiere man als Fortschritt, übersehe aber beflissentlich die politische Einflussnahme bei der Benennung der Zentralbanken-Posten, deren Verfahren mehr als fragwürdig erscheint. Warum man allerdings glaube eine Inflation bei noch bei 4% steuern zu können, glauben Wirtschaftskritiker wie , Stanford-Professor John Taylor, Prof. Max Otte, oder Dr, Doom nicht.

Betrachtet man die Logik der drei Chefvolkswirte dieser Studie so stelle man fest dass man zwar die Mechanismen des Zusammenspiels von Preisen und der Wertbildung von Währungen (Das kleine 1X1 der Volkswirtschaftslehre) berücksichtigte, man findet aber keine Erklärung dafür, warum Billiarden an in den Markt gepumpten Liquiditäten, geschnürt von Regierungen im Euro-Raum und den USA, nicht zu einem Anstieg der Preise und somit des Handels führen und geführt haben. Zins-Analysten der AEP behaupten das diese Liquiditäten längst, gleichsam wie die Schwingung eines physikalischen Resonanzsystems, in die Vermögens-Singularitäten ge-swapt seien, und dem Markt bereits wieder entzogen sind. Bei der nun von Bernanke, Manfred Weber, Trichet, Merkel, Schäuble und andere selbst ernannte Experten geplanten langsamen Abzug der Liquiditäten aus dem Geldmarkt dürften sie auf soziale Instabilitäten treffen, einer schwer vorhersehbare „Resonanzkatastrophe“ einer Volkswirtschaft. Die Liquiditäten die man zuvor hinein gepumpt habe, würden ja nicht bei den Banken und Vermögens-Singularitäten entnommen werden, beim Bürger durch Leistungskürzung oder Steuererhöhung.

Aus wohl bekannten Bürgerkreisen verlautete schon seit Jahren, dass der Weg der Inflation der einzig mögliche Weg sei um den unteren Einkommensschichten auch nur annähernd ihr Existenzminimum sichern zu können, dessen verfügbares Einkommen zunehmend schrumpft und vermindert wird. Längst können Gewerkschaften die Einkommensbalance nicht mehr herstellen. Ohne grundlegende Korrektur des Zins-Effektes gäbe es keine andere Möglichkeit. Eine gezielt eingeleitete Inflation mit einem geordnetem Übergang mittels regressiver Währungsreform wäre ein letzter Ausweg um gigantische Vermögensungleichverteilungen gerecht zu nivilieren.

Die Möglichkeit der Staaten durch Gelddrucken und Geldentwertung habe früher den Volkswirtschaften erlaubt, ihre sozialen Aufgaben zu finanzieren. Gleichzeitig habe man damit demjenigen einen Obolus abverlangt der Kapital in Form von Geldvermögen angespart hatte. Dies geschah ohne physikalische Zahlung sonder rein durch Werteverlust des Geldes über die staatlich gesteuerte Inflation. Dieses Instrument wurde wie oben beschrieben in den 70’ern und vollends durch die Gründung der EZB den EU Staaten aus der Hand genommen. Griechenland ist nur ein Beispiel dafür wie schwierig es für die Politik ist, angesichts der sozialen Aufgaben die Geldwertstabilität zu akzeptieren.

Staaten die sich nicht als Sozialstaat verstehen haben zwar geringere staatliche Ausgaben (z.B. USA) jedoch werden die Einsparungen teilweise Kompensiert durch höhere Kriminalitätsraten und ein wesentlich schlechteres Gesundheitssystems (USA, GB,….). Kurioserweise ist es sogar so, dass Vermögens-Singularitäten zwar als Steuerflüchtling im Ausland Leben (Venezuela, Franz Sielmann ……..), wenn es aber darum geht am gesellschaftlichen Leben teil zu nehmen, gerne sich in einem Sozialstaat nieder lassen um die dort herrschenden Freiheiten zu genießen.

Die Deutschen hatten die D-Mark nur geopfert wenn der Euro ganz besonders stabil werden würde. Das dies nun nicht der Fall ist müssen alle schmerzhaft am Beispiel von Griechenland fest stellen, die die EU ausnehmen wie eine Weihnachtsgans. Es sei tatsächlich möglich gewesen das ein Mitgliedsstaat virtuell Geld drucke ohne dass die anderen Mitgliedstaaten dies mitbekommen hätten oder mitbekommen haben. Somit stelle dieser Vorgang schlicht einen verkappten Diebstahl ungeahnten Ausmaßes gegenüber den 15 anderen Euro-Ländern dar, die bisher den Euro eingeführt haben. Es kann davon ausgegangen werden dass noch mehr schwarze Schafe neben Griechenland existieren. Wiedergutmachung oder Ausschluss aus dem Euro-Währungsverbund müsse die Folge sein. Etwas anderes verstehe niemand.

Das Eigentliche Problem haben aber selbst die IWF-Volkswirte nicht angesprochen, dem Zins- und Zinseszins. Dieses Faktum ist zu heikel und zu wichtig, so dass man es in unabhängigen Internet-Blogs nicht oft genug erwähnen kann. Dieses Thema ist schon seit mehr als über hundert Jahren bekannt, und sollte doch eigentlich den Weg in die Lektüre der Volks- und Wirtschaftswissenschaften gefunden haben. Trotzdem habe sich diese Theorie, seit der Verbalisierung durch Silvio Gesell um 1900, nie Gehör verschaffen können. Gesell erlebte 1898, 1923 einige Finanz-Krisen in Europa, Brasilien und Chile mit ähnlicher Situation der Staatsverschuldung wie wir sie heute erleben. Auch damals haben zahlreiche Analysten, meist allesamt keine sogenannten Finanz-, Wirtschafts-, oder Volkswirte, die danach folgenden Inflationen und Instabilitäten voraus gesagt. Die Instabilität war schon (1917) zu weit fort geschritten, so dass sich die damals zunehmenden revoltierenden verarmten unteren Schichten zusammen schlossen, die Arbeiterbewegung und der Kommunismus entstand. Silvio Geslls Idee verschwand im Untergrund. Seine Analyse war zwar richtig, erforderte aber zu viel Geduld und Intellekt und die an Hunger und Not leidende Bevölkerung wählte einen Weg der radikaler und ihr Erfolg versprechender erschien. Jahrelang aufgestaute Emotionen gegen Banken und Geldverleiher projizierten sich schließlich auf wehrlose Minderheiten und entluden sich in dem Aufblühen des Drittes Reiches dem Marxismus und Stalinismus.

Das Kernproblem sämtlicher Volkswirtschaften seien eigentlich die Zinsen, die es dem Besitzer von Geldvermögen ermöglicht ohne zu Arbeiten davon zu leben. Eigentlich eine interessante Aussage die sich Herr Westerwelle und Roland Koch mal zu eigen machen sollte, wenn sie davon reden das jemand der nicht arbeitet weniger haben müsse als jemand der arbeite. Diese Frage werde aber fast kaum gestellt, weil niemand den Zins als finanzwirtschaftliche Größe in Frage stelle. Mittlerweile gibt es Volks- und Wirtschaftswissenschaftler die Alternativen zum Zins-Effekt bereit halten. Diese werden als „Geldumlaufsicherungsgebühr“ , „Parkgebühr für gehortetes Geld“ oder „rostendes Geld“ bezeichnet. Diese Lösungen haben nichts mit der Attac-Idee einer „Transaktionssteuer“ zu tun, die nach Meinung des Autors den Handel und die Wirtschaft langfristig in die Knie zwingen würde. Eine „Geldumlaufsicherungsgebühr“ würde den Wohlstand und den Handel fördern, führe aber im langfristigen Mittel zu einem Wegfall der Geschäftsbanken.

Leider werde der Vorteil des Zinsertrages höher Bewertet als deren Schaden. So berichten Medien, Politiker, Banken und Vermögens-Singularitäten nicht über den Nachteil des Zinses. Auch sei die Medien- und Pressefreiheit längst in Gefahr, wenn Nachrichten und Politische Aussagen zentral gesteuert über ein hierarchisch organisiertes Pressesystem, (In Deutschland die öffentlich Rechtlichen Sendeanstalten, in Italien das Medienmonopol von Berlusconi, Island-Korruption Betrug) den Weg zu den Bürgern findet, für deren verkappte Infiltration auch noch Gebühren verlangt werde. Eine Thematisierung würde erst dann statt finden, wenn es vielleicht für eine konstruktive Diskussion und Lösung zu spät sei.

Solange keine öffentliche Diskussion zum Thema Zins- und Zinseszins statt finde, müsse man davon aus gehen das dieses Thema ein Tabu-Thema in den Medien sei. Eigentlich erscheine die Zurückhaltung logisch, wenn man berücksichtige in welch finanzieller und durch soziale Netzwerke gegebene Verstrickung sich Politik, Finanzorganisationen (Geburtstagsfeier im Kanzleramt, Merkel, Schröder, Ackermann, Zumwinkel, EZB-Chefs) Medien (Roland Koch, ZDF Intendanten Schächter) und Presseorganisationen mittlerweile befinden. Freiberufliche Journalisten seien eben auch nicht ökonomisch frei, man könne zwar schreiben was man wolle, aber das Recht auf freie Meinungsäußerung habe auch wirtschaftliche Konsequenzen. Die Machtverhältnisse haben mittlerweile solch groteske Ausmaße angenommen, dass kleine Regionalsender, Blogbetreiber und Reporter unter Androhung hoher Geldstrafen über eine Einstweilige Verfügung dazu gezwungen werden, von einer Veröffentlichung oder Veröffentlichung ab zu sehen. Meist setzt sich hier nicht das Recht durch, sondern die ökonomisch stärkere Gewalt, da sich Privatleute oder Regionalsender keinen teuren Klageprozess leisten können. In Island führte dies (siehe Artikel oben) zu Intransparenz und Etablierung von Korruptions- und Interessen- Seilschaften, die nicht vor dem Amtsmissbrauch eines Verfassungsrichters halt machten.

Interessante Links:

Von der Rezession zur Inflation und Hyperinflation……

Finanzkrise in Deutschland von 1931

Banken: Brandstifter als Feuerwehr

Bernd Senf: Der Nebel um das Geld – Zinsproblematik, Währungssysteme, Wirtschaftskrisen – Ein Aufklärungsbuch, Gauke-Verlag, Lütjenburg 1996

Helmut Creutz: Das Geldsyndrom – Wege zu einer krisenfreien Marktwirtschaft, Ullstein-Taschenbuch 34556, Frankfurt/Main, Berlin 1995

Margrit Kennedy: Geld ohne Zinsen und Inflation, Goldmann-Taschenbuch, Wilhelm-Goldmann-Verlag, München 1993

Silvio Gesell: Die Natürliche Wirtschaftsordnung, Gesammelte Werke, Band 1 1, Gauke-Verlag, Lütjenburg 1991

Der Dritte Weg – Zeitschrift für die natürliche Wirtschaftsordnung, Feldstr. 46, 20357 Hamburg


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