Arbeitsmarktreform ist noch schlechter als ihr Ruf! | Alternative Europa Plattform

Arbeitsmarktreform ist noch schlechter als ihr Ruf!

14. Januar 2010
By AJG

Hilmar Schneider sieht eine andere Realität

Am Mittwoch den 13.1.2010 sagte Hilmar Schneider, Direktor für Arbeitsmarktpolitik am Institut zur Zukunft der Arbeit in Bonn, er sehe positive Effekte und die Arbeitsmarktreform inklusive Harz-IV sei besser als ihr Ruf.

Er führte weiter aus das seit 2006 die Arbeitslosigkeit “unglaublich stark” zurückgegangen sei. Die Frühverrentung sei eingeschränkt worden. Hartz IV verhindere außerdem, dass viele Menschen in die Langzeitarbeitslosigkeit abdriften.

Dass Hartz IV Millionen von Familien in die Armut getrieben habe, teile Schneider nicht (anm. d. Red. siehe Armutsbericht der Bundesregierung). Harz IV habe dafür gesorgt dass der Druck auf die Betroffenen erhöht worden sei. Das habe verhindert dass viele Menschen in die Langzeitarbeitslosigkeit getrieben worden seien. Früher sei es so gewesen, dass jeder zweite, der seinen Job verloren habe, in die Langzeitarbeitslosigkeit geflüchtet sei. Heute sei es nur noch jeder zehnte und das zeigt sehr deutlich, dass dieser Druck, die Menschen davor bewahrt habe, in die Langzeitarbeitslosigkeit zu flüchten.

Schneider sehe keinen großen Handlungsdruck für eine Harz IV Reform. Das, was da jetzt in der politischen Diskussion ist, sei seiner Meinung nach überflüssig.

Das was im Zusammenhang mit dem Bürgergeld von der FDP vorgeschlagen wurde, sei falsch. Herr Schneider sehe eine Reihe von Haken und Ösen.

Kommentar

Wieder einmal zeige sich, dass Amtsträger mit einer institutionell hoch angesiedelten Funktion, wie hier der Direktor für “Arbeitsmarktpolitik zur Zukunft der Arbeit” in Bonn, sehr einsame und weltfremde Positionen vertreten.  Herr Hilmar Schneider ist ziemlich alleine mit seiner Position wenn er glaube, dass jeder arbeiten könne wenn er nur wolle. Auch habe sein von der Deutschen Post AG (unter Zustimmung von Zumwinkel) gegründetes Institut zur Zukunft der Arbeit wenig Zukunft.

Herr Hilmar Schneider impliziere mit seiner “Handlungsdruck”-Philosophie, dass die ca. 4,3 Millionen Arbeitssuchende Bürger in Deutschland (12Mio inoffizielle Zahlen) allesamt absichtlich diesen Zustand erhalten wollten. Druck sei seiner Meinung nach das Gebot der Stunde. Druck ausüben auf die schwächsten unserer Gesellschaft sei zwar leider bedauerlich, aber es müsse nun mal sein, zu ihren eigenen Wohl. Dass dieser Druck auch mittlerweile jedes 6 Kind treffe nehme Schneider in Kauf, er selbst scheint ja aus dem Schneider zu sein.

Wie aus wohl bekannten Bürgerkreisen verlautete, sei diese Argumentation typische Strategie der “Ewig Gestrigen” und völlig absurd. Jeder wisse dass die Anzahl der zur Verfügung stehenden Arbeitsplätze kontinuierlich ab nehme und wir uns von der Vorstellung einer Vollbeschäftigung bereits seit den 90er Jahren verabschiedet haben. Geht man davon aus dass in Deutschland 12 Mio Arbeitnehmer gerne einen Vollarbeitsplatz hätten und in Deutschland zur Zeit etwa 40Mio beschäftigt sind, haben wir mittlerweile eine verkappte Arbeitslosenquote von 30%.  Die Bürgerversicherung ist mit Sicherheit ein interessantes Modell, wobei es hierfür unterschiedliche Definitionen gibt. Die FDP hat den Begriff nicht erfunden, und verstehe ihn auch anders als die Väter dieser Idee.

Mittlerweile haben wir in Deutschland eine Ausweitung der Leiharbeitnehmer und ein zunehmendes Heer an wissenschaftlich ausgebildeten Hilfsarbeiter, die ihre Dienste als akademische Wanderarbeiter dem Arbeitsmarkt unter anderem auch für 1 Euro zur Verfügung stellen soll. Das nennt sich dann “Fördern und Fordern”.

Wirtschaftliches Denken sei auch von dem Arbeitslosen gefragt in ganz persönlicher Hinsicht.  Dazu gehöre auch dass jeder Bürger das Recht habe seine individuellen Ressourcen zu schonen um seine Arbeitskraft Nachhaltig der Volksgemeinschaft zu erhalten. Dazu gehöre auch dass der Arbeitslose notfalls eine inadäquate Arbeit, die ihm angeboten wird, ab zu lehnen. Das belebt die Konkurrenz der Arbeitsplatzanbieter und ist gut für den Verbraucher. Warum Schneider lieber Druck ausüben, statt Anreize geben möchte mag in seiner psychologischen Veranlagung oder auf Abhängigkeitsmechanismen zurück zu führen sein, die wir nicht kennen.

Für die Mehrheit der Europäischen Bürger gelten zumindest noch die Allgemeinen Menschenrechte und das Recht der freien Berufswahl und das Recht der freien Entfaltung der eigenen Persönlichkeit. Arbeiten um jeden Preis scheint der falsche Weg zu sein und führe letztendlich zurück in feudale Staatsformen. Auch Hilmar Schneider habe letztendlich überhaupt keine Lösungsvorschläge, wie die zunehmend fortschreitende Verarmung breiter Bevölkerungsschichten zu verhindern wäre.

Quellen:

Arbeitsmarktreform besser als ihr Ruf ??????


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