Verabschiedung der Volkswirtschaft vom Konzept der Vermögensverzinsung geboten…. | Alternative Europa Plattform

Verabschiedung der Volkswirtschaft vom Konzept der Vermögensverzinsung geboten….

2. Januar 2010
By AJG

Warum das Einkommen immer weiter fällt, und die Haushaltsvermögen einzelner immer weiter steigt......

Wenn dieser Tage über die Zukunft über Deutschland öffentlich nach gedacht wird, die Kanzlerin eine Neujahrsansprache von sich gibt, die von einem java- Textgenerator zu stammen scheint (“Spiele statt Brot”), dann ist die Lethargie am größten und die Stimmen der weisen Männer am lautesten.

Jener Club der Wirtschaftsweisen, die noch vor Eineinhalb Jahren die Stärke des freien Marktes  predigten und jede Regulierung des Staates für falsch hielten. Nach ersten Anzeichen werden jene Wirtschaftsweisen immer lauter und geben nach einer langen Zeit der Abstinenz wieder Interviews. So kritisiert der Vorsitzende der  Wirtschaftsweisen Wolfgang Franz die Steuersenkungspläne der Regierung noch an Silvester. Das angestrebte Entlastungsvolumen von 24 Milliarden Euro hält er für “utopisch”, wobei er beflissentlich kein einziges Wort zu den 480Mrd. Euro des Rettungspaketes verliert. Franz möchte stillschweigend diese Summen als richtig angelegt wissen, weist aber vorbeugend darauf hin dass der Bürger “mit schweren Belastungen” und  “einschneidenden Kürzungen bei den Ausgaben” wird rechnen müssen.

Warum trifft die Politik so gegensätzliche Entscheidungen, einerseits eine Schuldenbremse im Grundgesetz zu verankern, andererseits eine “Rettungspaketbremse für Banken” nicht diskutieren will. Vertreter von Vermögens-Singularitäten wollen um jeden Preis eine Staatsverschuldung verhindern, weswegen jene Positionen von Wolfgang Franz, Bofinger, Josef Ackermann  und Michael Hüther verständlich erscheinen. Die Tatsache dass eine Staatsverschuldung aber die einzige Möglichkeit ist, einer Verarmung breiter Bevölkerungsschichten entgegen zu wirken, sehe man nicht.

Vor diesem Hintergrund kommt die Frage auf :

Ist die Volkswirtschaft noch eine Wissenschaft? Dürfen Banken überhaupt noch als privatwirtschaftliche Organisation bestand haben, nachdem jene bewiesen haben dass sie nicht mit Geld umgehen können. Angela Merkel ist der Meinung dass sie dies noch erreichen könne durch schärfere Regeln in der Finanzbrange. Mehr und mehr Bürger und auch Abgeordnete sind da anderer Meinung. Es sei ein Skandal mit welchen Meldungen immer wieder nicht bewiesene Meinungen vermeintlicher Wirtschaftsexperten in den öffentlich rechtlichen Medien transportiert werden.

Beispielsweise wurde heute Thomas Straubhaar im DLF zitiert als er dem DDP ( Deutscher Depeschen Dienst) mitteilte dass er auf Grund der Steuersenkungspläne der Bundesregierung daran glaube dass dies höhere Kosten und ein sinkendes Wirtschaftswachtum zur Folge haben werde. Ebenfalls glaube Dr. Klaus F. Zimmermann, Präsident des DIW Berlin, an ein Abwürgen des Wirtschaftswachstum, sollten die Tarifvertragsparteien keine moderaten Abschlüsse im kommenden Jahr zustande bringen.

Der renommierte Wirtschafts Analytiker und Publizist Dr. Werner Rügemer ist anderer Meinung. Herr Rügemer beschreibt in einem Artikel vom 18 Januar 2009 die Parallelen zur Finanzkrise in Deutschland von 1931.  Fürwahr es ist ein recht langer Artikel, jedoch lohnt sich die Lektüre. Rügemer kommt zu dem Schluß dass die staatlichen Rettungspakte damals wie heute den großen Banken und Vermögens-Singularitäten dazu verhelfen wird ihre Machtposition zu halten und weiter aus zu bauen. Besonders dramatisch sehe er die Tatsache dass die heutigen Banken über solch eine gewaltige Lobby verfügt, dass unsere Volksvertreter insbesondere die regierende Koalition, Milliardenbeträge zur Rettung eben jener Banken aufbringt. Schlimmer noch, die führenden Köpfe die bei der Verteilung der Gelder durch die SoFFin eingesetzt wurden, sind eben jene die die Krise mit verschuldet haben. Die eingerichtete neunköpfige Kontrollkommission ist ihrer schärfsten Waffe per Gesetz beraubt, sie ist zu Stillschweigen verpflichtet. Brandstifter mutieren zu selbst ernannten Feuerwehrmännern (Banken: Brandstifter als Feuerwehr).

Gleichzeitig scheint der Staatshaushalt in einer Schuldenspirale von schlappen 4400Euro/Sekunde zu ersticken, während die Gewinnuhr (abgeleitet aus dem BIP) mit rasanten 79000Euro pro Sekunde davon rast. Die Politik schaffe es heute nicht mehr die Vermögenden unserer Gesellschaft ausreichend an den Staatsaufgaben partizipieren zu lassen. Ein Skandal sonder gleichen.

Die Innovativen Kräfte für ein Lösung

Mittlerweile gibt es jedoch innovative Kräfte in Deutschland die alternative Lösungsvorschläge bereit halten, damit nicht nur die Banken gestärkt aus dieser Krise hervor gehen, sondern der Staat und Bürger, gestärkt aus dieser Krise hervor gehen werden. Jene Bürger sind Professoren, Wissenschaftler und logisch denkende Menschen, die den Mut haben, Jahrhunderte dauernde Dogmen der Finanzwelt in Frage zu stellen.

Neben Prof Dr. Bernd Senf [1], Helmut Creutz [2], Margrit Kennedy[3] und Silvio Gesell [4] werden immer mehr privat organisierte Netzwerke gegründet, die entgegen alt hergebrachter neoliberaler Volks- und Wirtschafts- Wissenschaften, eine Logik der Erkenntnis den wachsenden Vermögens-Singularitäten entgegensetzen. So befasste sich Prof. Jürgen Kremer mit einem leicht verständlichem Modell zur Simulation der Vermögensungleichverteilung in einer Volkswirtschaft. Ein Artikel erschien im Januar 2009 auf der Wirtschaftsplattform www.humane-wirtschaft.de beschreibt sehr genau die Modellannahmen und die daraus erwachsenden Konsequenzen für die Vermögensgleichverteilung einer Gesellschaft, aber über Zeiträume von Jahrzehnten. Dieser Artikel soll hier nur grob wieder gegeben werden. Der interessierte Leser findet das Original hier.

Kreislaufmodell einer geschlossenen Volkswirtschaft ohne Staat und ohne Finanzwirtschaft.

Kreislaufmodell einer geschlossenen Volkswirtschaft ohne Staat und ohne Finanzwirtschaft. Grafik ©aep-d.de 2009

Der Grundgedanke dieser Theorien geht von simplen Kreislauf zwischen Haushalten, Arbeitsmarkt, Unternehmen und Gütermärkten aus. Der Einfachheit betrachten wir zunächst ein Modell ohne Staat und Finanzmärkte. Der Wirtschaftskreislauf ist im Einklang bzw. Gleichgewicht, da das Tauschmittel für alle Aggregatzustände W,C,P gleich ist. Die Tauschmittelströme dargestellt durch die Pfeile haben keine Senke oder Quelle. Somit gilt im strengen mathematischen physikalischem Sinne:

div(C) = div(W) = div(P) = 0

Physikalisch bedeutet dies dass es keine Geldquellen oder Geldsenken gibt. Die Realität ist jedoch eine andere. In der Regel wird es aber in unserem idealisierten Modell so sein dass die Haushalte sowie die Unternehmen Ihr Einkommen umgehend für den Konsum oder für Löhne und Gehälter ausgeben werden. In einem solchen Kreislaufmodell besteht kaum die Erfordernis Einkommen über eine gewisse Größe hinaus hin zu sparen. Im Idealfall ist nahezu das gesamte Einkommen im Umlauf. Es existieren keine Geldpuffer.

Nun wird das Kreislaufmodell um die bekannten Finanzmärkte erweitert. Die Haushalte legen nun einen Teil ihres Einkommens W, den sie nicht für den Konsum benötigen, auf dem Finanzmarkt zurück, und erhalten Zinsen Rh auf ihr angespartes Vermögen. Die Unternehmen erhalten Kredite (I Investments) für ihre Investitionen. Da auch in diesem Kreislaufmodell kein Geld generiert werden kann setzen wir die Knotenregel für Geldströme an. Als ersten Knoten betrachten wir die Haushalte. Somit müssen alle Geldströme sich in diesem Punkte ausgleichen. Jene Mittel die Abfließen wie C (Konsum) und S (Private Ersparnis) müssen jenen den Haushalten zufließenden Mittel W (Einkommen) und Rh (Zinsen) entsprechen.

Kreislaufmodell einer geschlossenen Volkswirtschaft ohne Staat.

Kreislaufmodell einer geschlossenen Volkswirtschaft ohne Staat. Grafik ©aep-d.de 2009

Wir schreiben daher :

S+C = W+Rh

Ebenso verhält es sich mit dem Knotenpunkt der Unternehmen. Hier müssen jene Geldabflüsse Rf (Zinsen, Tilgung) und W (Löhne, Gehälter, Investitionen) denjenigen Zuflüssen I (Kredite) und P (Verkaufserlöse) entsprechen. Die zweite Gleichung lautet:

Rf+W = I+P

Wir wollen jetzt im weiteren Verlauf nicht die Möglichkeit der Unternehmen betrachten die selbstverständlich auch Geldmittel an sparen können. Dies würde aber die weiter Betrachtung verkomplizieren und keine wesentlichen Erkenntnisse für die finale Schlussfolgerung bringen. Sobald Unternehmen Gewinne aus dem Unternehmen entziehen, würden diese im Modell auf die Haushaltsseite wandern. Die Haushalte setzen sich aus einer Vielzahl aus Einkommensgruppen zusammen deren Vermögensgleichverteilung im Simmulationsmodell noch eine weitere Rolle spielen soll (späterer Artikel geplant, AEP-D). Was passiert nun im folgenden Verlauf wenn die Vermögensgleichverteilung bei Beginn des Kreislaufsystemes, also z.B. nach der Währungsreform 1947 in Deutschland, zu laufen beginnt?

Für den weiteren Verlauf kann man annehmen, dass die Sparzinsen der Haushalte den Zinszahlungen der Unternehmen entspräche. Auch hier gibt es in der Realität bekanntermassen Unterschiede. Wir können in unserem idealisierten Modell also schreiben:

Rf = Rf := R

Mit dem neuen Symbol R der Spar- und Kreditzinsen erhalten wir die schöne Gleichung:

S + C = I + P = W + R   :=Y   (engl. yield)

Das Bruttoinlandsprodukt Y (BIP) ist somit die Summe aller Haushaltsausgaben S und C (fort zeigende Pfeile aus dem Haushaltsknoten). Dieser ist gleichbedeutend mit der Summe aller Unternehmenseinnahmen I und P und gleichbedeutend mit der Summe aller Unternehmensausgaben W und R. Unter einem Wirtschaftswachstum wird immer ein Ansteigen des BIP verstanden. Weiterhin kann man aus dem Kreislaufmodellen entnehmen, dass im Knoten der Gütermärkte der Konsum C hineinfließt und als Verkaufserlös P in gleicher Höhe wieder heraus fließen muß.  Somit ist:

C = P, und wegen  S + C = I + P ist   S = I

Die privaten Ersparnisse S sind also gleich denen von den Unternehmen aufgenommenen Kredite I. Wenn wir nun annehmen dass das BIP nur wenig wächst, z. B. weil die zur Verfügung stehenden Energiequellen abnehmen, Rohstoffe versiegen und Mehrwertschöpfung dadurch zurück geht, müssen wir für die BIP Gleichung mit den Ausgaben der Unternehmen folgende Schlussfolgerung ziehen.

W + R   :=Y

Da Y, also das BIP nicht weiter steigt, die Vermögen R  der Haushalte aber wegen des Zinseffektes weiter ansteigen, muss im Gegenzug das Einkommen W sinken.  Das ist genau das was wir zur Zeit erleben und was die wenigsten, um nicht zu sagen keiner unserer Wirtschaftsweisen inklusive der Mehrzahl der politisch Verantwortlichen, analytisch durchdacht haben. Frau Dr. Merkel verbalisiert dies indem sie in ihrer Neujahrsansprache von Hoffnung spricht. Die Wirtschaftsweisen und Wirtschaftslobbyisten fordern genau das was unser kleines Wirtschaftsmodell rechnerisch ergibt. Ihrer Meinung nach soll das Einkommen der Beschäftigten sinken oder nicht steigen, um das Wirtschaftswachstum nicht vorzeitig abzuwürgen. Ähnliche Mechanismen hatten wir bereits 1931 bei einer vorangegangenen Finanzblase, ausgelöst durch Zins und Zinseszins Wachstum, wie Dr. Werner Rügemer bereits im Jannuar 2009 dar legte (Finanzkrise in Deutschland von 1931).

Würden wir nun versuchen die Zentralbanken (Leitzins, Faszilitätsrate, ) und den Staat mit in das Modell ein zu binden, könnte man versuchen nach zu vollziehen, wie die Geldentwertung durch Bankenpleiten und Giralgeldwertschöpfung, zu einer Inflation führen würde. Das weitere Problem ist auch das dass Einkommen der Bürger nicht unbegrenzt abgesenkt werden kann. Das ist der Grund warum der Staat keine andere Wahl hat als sich zu Verschulden. In verkappter Weise wäre dies ein versteckter Griff in die Taschen derjenigen die Geldvermögen angespart haben.

Schließlich wird der Zinseffekt durch das exponentelle mathematische Wachstums-Gesetz jede noch so klug durchdachten Gegenmechanismus, Steuergesetzgebung des Staates überdecken. Ein exponentielles Wachstum führt immer zum Ausfall systemrelevanter Organe einer Organisationseinheit. Dem wird wohl niemand widersprechen, es sei denn er arbeitet in der Finanzbrange.

Lösung und Ausblick

Wenn eine Wirtschaftsordnung langfristig stabil bleiben soll, so schreibt Jürgen Krämer resümierend, dann muss sie sich vom Konzept der Vermögensverzinsung verabschieden. Diese Erkenntnis mag um so bitterer erscheinen da ganze Finanzimperien auf dem Zinssystem fußen, erscheinen jedoch plausibel auf Grund des zuvor erläuterten Kreislaufwirtschaftsmodells. Freilich brauche es meist 50-70 Jahre bis ein Wirtschaftssystem kollabiere, weswegen die Gefahr besteht dass nach einer Währungsreform in 2-3 Jahren vielleicht der Homo Sapiens Sapiens genauso weiter machen wird wie zuvor.

Als weitere Forderung wagt die AEP Deutschland zu behaupten dass mit der Erfahrung der Krise nun sämtliche Banken und Geldinstitute zu 100% in die Hände des Staates gehören. Die neoliberale Wirtschaftsphilosophie à la “Sachverständigenrat” mit ihren hunderten von “Ackermanns” und “Zumwinkels” hat gründlich versagt.

Das Geldsystem ist zu Systemrelevant als dass man dieses Instrument privatwirtschaftlich organisierten Gemeinschaften und Instituten überlassen dürfe. Wenn Deutschland und Europa nur halbwegs glimpflich aus dieser Geschichte heraus kommen möchte, bedarf es keiner Rettungspakete oder anderer Finanztricks wie diejenige der “BAD BANKS”, vorgeschlagen durch Josef Ackermann, sondern der Staat müsse langfristig sämtliche Institute in staatliche Kontrolle überführen, wobei insolvente Banken über eine geordnete Insolvenz abgewickelt werden müssten.

Drittens, sämtliche Offenlegung aller Geldmittel in Verbindung mit der SoFFin. Alle Gelder müssen öffentlich für jeden Bürger auf einer Webseite zugänglich gemacht werden. Transparenz ist das Gebot der Stunde.

Quellen:

Wirtschaftsweiser nennt Finanzpläne der Regierung “utopisch”

Von den blinden Flecken der Volkswirtschaftslehre

Finanzkrise in Deutschland von 1931

Banken: Brandstifter als Feuerwehr

Termine:

Samstag 9. Januar 2010, Karlsruhe, attac-Kongress “umverteilung nein”, Bankenrettung – wer zahlt, wer zahlt nicht? Ort: Tollhaus Karlsruhe.

Veranstaltung; 9. – 11. April 2010, Banken-Tribunal, Berlin, Volksbühne

Samstag 9. Januar 2010, Karlsruhe, attac-Kongress “umverteilung nein”, Bankenrettung – wer zahlt, wer zahlt nicht?


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