Verfassungsrichter Hans-Jürgen Papier warnt vor Volksentscheiden | Alternative Europa Plattform

Verfassungsrichter Hans-Jürgen Papier warnt vor Volksentscheiden

30. Dezember 2009
By AJG

Wo kämen wir da hin, wenn jeder mitbestimmen wolle?

Verfassungsrichter gegen wörtliche Auslegung des Art.20 (1) ?

Verfassungsrichter gegen wörtliche Auslegung des Art.20 (2) ? Foto ©aep-d.de 2009

Der Verfassungsrichter Hans-Jürgen Papier warnt vor Volksentscheiden auf Bundesebene.  Statt Populismus solle Nachhaltigkeit im Grundgesetz verankert werden, so heute Papier in einem Interview des “Hamburger Abendblattes”. In dem Artikel vertrat er die Meinung dass die Reformen der Sozialsysteme und des Steuerrechts nicht dem Bürger zur Entscheidung über eine Volksentscheidung auf Bundesebene “zugemutet” werden könne.

Ausgelöst durch das Minarettverbot in der Schweiz, machen sich zunehmend repräsentative Vertreter der legislativen und judikativen Bereiche in Deutschland und Europa ihre Gedanken hierzu. Hans-Jürgen Papier ist der Meinung dass Volksentscheidungen auf Kommunalebene durchaus Erfolge erzielt haben, beispielsweise bei Schulthemen oder umstrittenen kommunalen Bauvorhaben.

Als Vorschlag in die Richtung der Politik glaube er dass die Aufnahme eines “Nachhaltigkeits” Paragraphen in das Grundgesetz eine wichtige Maßnahme zur Verbesserung der Generationen übergreifenden Gerechtigkeit sei. Als Beispiel führte er die Sozialpolitik, die Finanz- und Haushaltspolitik sowie die Klimapolitik an.

Wie aus wohl informierten Bürgerkreisen verlautete, sei man überrascht über die ablehnenden Äußerungen des Verfassungsrichters gewesen, der immerhin den Art. 20 (2) schützen müsse.

Art 20

(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.

Papier habe offenbar Angst vor populistischen Entscheidungen die seiner Meinung nach zu Fehlentscheidungen kommen könne. Damit spräche er aber indirekt einer möglichen Mehrheit die Kompetenz ab eine richtige Entscheidung zu treffen. Richtig ist, dass in Deutschland die parlamentarische Demokratie zur Willensbildung des Volkes mitwirken soll, wie es Art. 21 (1) des Grundgesetzes gebietet. Warum jedoch Papier dem Bürger einerseits auf Kommunalebene die Entscheidungskompetenz zuschreibe, auf Bundesebene jedoch abschreiben wolle, bleibt sein ganz persönliches Geheimnis.

Unsere Gesellschaft befindet sich in einem rasant aufstrebenden Kommunikationszeitalter, das ungeahnte Möglichkeiten der Regierungsführung und Direktdemokratie ermöglichen wird, wie es heute noch undenkbar scheinen mag. Bereits heute werden erste Voraussetzungen für elektronische Wahlen gelegt, die schon bald die politische Landschaft umkrempeln wird.

Freilich bangen viele gewählte Vertreter der parlamentarischen Demokratie um ihre Macht wenn plötzlich die Mehrheit der Bürger z.B. über wichtige Themen wie die Höhe der Diäten der Parlamentarier oder gar deren Altersbezüge entscheiden würden.  Beispiele hierfür sind verschiedene Äußerungen von Merkel, Seehofer und Claudia Roth zur Direktwahl des Bundespräsidenten im Mai diesen Jahres.

Im Falle einer Entscheidung getragen durch mehr Bürger, anstelle von wenigen Repräsentanten, wäre davon aus zu gehen dass wesentlich intelligentere Lösungen in der sozialen Gesetzgebung oder auch bei der Besteuerung von Arbeitnehmern, Unternehmen und Vermögenden getroffen werden würde. Dieses Ergebnis zeigen auch wissenschaftliche Studien, in denen unabhängige Probanden einer höheren Gruppenanzahl immer zu besseren Entscheidungen gelangen. Entscheidend bei der Meinungsbildung dürfte ebenso die  Stellung der Medien sein deren Monopolstellung durch das Internet zunehmend an Bedeutung verliere, in dem Masse indem freie Meinungsäußerung gefördert würde.

In der Vergangenheit sind Volksabstimmungen rein technisch nicht möglich gewesen. Heute aber haben die westlichen Länder die technischen Voraussetzungen in der Hand ein völlig neue Direktdemokratie mit wirklichen Mehrheiten zu schaffen. Die Frage der Mehrheitsfähigkeit eines Gesetzes würde sich automatisch erübrigen.

Bei allem Respekt Herrn Hans-Jürgen Papier gegenüber, eine Direktdemokratie mit einer vermeintlichen “populistischen” Gefahr, die der Verfassungsrichter hier sieht, birgt auch die Chance und die Pflicht des Bürgers sich mit den zur Entscheidung stehenden Problemen zu befassen. Ob dies heute unsere Parlamentarier immer tun wenn sie im Parlament über komplizierte Gesetzestexte entscheiden, wird immer mehr vom Bürger in Frage gestellt, zumal jene Parlamentarier diese Texte oftmals nicht kennen oder gar gelesen haben. Auch diejenigen die vermeintliche “populistische” Ansätze sehen, könnten sich dafür einsetzen dem entgegen zu wirken, anstelle gesetzliche Entscheidungen gegen eine Mehrheit durch setzen zu wollen, weil es einfacher ist.

“Wo kämen wir da hin, wenn jeder mitbestimmen wolle?”, sagten einst Fürsten und Kaiser der Monarchien vergangener Jahrhunderte.

Quelle:

Verfassungsrichter warnt vor Volksentscheiden

Direktwahl des Bundespräsidenten


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8 Responses to Verfassungsrichter Hans-Jürgen Papier warnt vor Volksentscheiden

  1. Chenlils on 10. März 2010 at 05:14

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  4. Daveym on 28. Februar 2010 at 12:15

    TOKYO – Nearly a half million people in Japan were ordered to higher ground on Sunday, as coastal areas across the vast Pacific region braced for lethal tsunami waves. But only small waves appeared, and there were no reports of damage.

    Areas ranging from Sydney, Australia, to the Russian Far East to the Hawaiian islands conducted evacuations and warned residents to be on the lookout for large waves following the 8.8 magnitude earthquake that devastated parts of Chile on Saturday. The Asia-Pacific region waited in suspense for almost 24 hours, the time that scientists predicted it would take shock waves from the powerful earthquake to race across the ocean in the form of massive waves.

    But the predicted time of impact came and went, with only waves of up to 10 centimeters reported near Tokyo and of up to 90 centimeters further north along the Japanese coast. The same was true across the region, where officials breathed an almost audible sigh of relief.

    “Luckily, these waves are far smaller than the agency’s forecast,” said Kazuaki Ito, director of the Information Institute of Disaster Prevention, a Tokyo-based non-profit group that advises on natural disasters.

    The tsunami warning was lifted in Hawaii on late Saturday after waves of about 1.5 meters were sighted, without any apparent damage. Beaches were briefly cleared of swimmers, and tourists were sent to upper floors of hotels. But nations further west left their alerts in place for much of Sunday, even after waves proved small, in case of additional tsunamis triggered by the huge Chilean temblor.

    Nations took the warning seriously in a region where raw memories remain of the deadly December 2004 tsunami in the neighboring Indian Ocean that killed nearly 230,000 people in 14 countries.

    Some of the biggest preparations were taken by Japan, where meteorological agency officials issued the nation’s first major tsunami warning in 17 years. They initially said they expected walls of water up to 3 meters, or 9 feet, high.

    In Tokyo, train lines and highways in densely populated areas along the edge of Tokyo Bay were stopped for hours. Further north, officials said they ordered the evacuation of some 570,000 households from coastal areas mostly on the main Japanese island of Honshu, a areas that has seen killer tsunamis in the past.

    Television news programs showed elderly residents in Iwate prefecture sitting on blankets in school gyms that had been turned into makeshift shelters. In the hilly port city of Hakodate, on the northernmost island of Hokkaido, residents sat on hilltops for hours on Sunday watching the sea.

    I was watching on & off the MSNBC coverage and frankly not impressed with their ‘scare’ tactic coverage – based on scientific fact and investigation the after-effects would be obvious but hey what’s with checking things first these days…. granted the potential for loss of life was there but could news channels act again like news channels – reporting the facts not paranoia & spreading fear…..plus I don’t want to hear at the end of it all “Thank God he saved us”….if you believe that surely God caused it in the first place too…

    What do you think about all these tsunamis thing?

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    • agraefenstein on 28. Februar 2010 at 12:37

      Hi Daveym,
      I think that this proves that earthquake and tsunami effects are more less predictable then normal citizen expect. The official public athorities who are responsible for tsunami warning can either pedict nor calculate the expected altitude of approaching rogue wave.
      This is similar difficult like forecasting an earthquake or burst of volcans. Therefore the only reliable information would be a kind of tide measurement.

      This would be very expensive. May be a satelite system equipped with a sufficient accurate radar system (2m resolution) might help to tackle this. But who will pay for this system and how to supply those satelites with energy.

      PS: I think your comment should better refer to another post, e.g. http://www.aep-d.de/wp/2010/01/13/the-great-global-warming-swindle/

  5. Geoggepligo on 16. Februar 2010 at 00:03

    Hi people, I just registered on this wonderful online community and desired to say what’s up! Have a good day!

    Geoggepligo

  6. UZHenry on 12. Februar 2010 at 07:41

    Hey guys,

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    I’m doing this for a non-profit haiti group in which the main focus is to
    creating oppurtunities for the kids in haiti. If anyone here wants to help then this is the site:

    Donate to Haiti or Help Haiti

    They provide children in Haiti a positive outlook through education.

    And yes, they’re a real cause.

    It would be great if you could help

  7. Klaus on 31. Dezember 2009 at 07:09

    Bravo – Bravo Herr Hans-Jürgen Papier, schicken Sie uns zurück ins Mittelalter.

    Ich kann gut verstehen, dass unsere Berufspolitiker, Parteispitzen und sogenannten Experten eine tief sitzende Angst vor einer Demokratie, die auch als solche bezeichnet werden könnte haben. Sehen sie damit doch ihre eigene Macht und Einfluss schwinden.

    Nachhaltigkeit im Grundgesetz zu verankern hieße, Astrologen und Wahrsagern die Entscheidungen zu übertragen. Nur bei rein wirtschaftlichen Vorgängen ist es überhaupt in beschränktem Masse möglich, eine Nachhaltigkeit im Voraus zu erahnen. Das selbst dieser kleine Teilaspekt bisher immer wieder in den Abgrund führte, hat uns die Vergangenheit oft genug bewiesen.

    Über Fehlentscheidungen unserer Nachkriegspolitiker könnte man ganze Bücherregale füllen. Schlimmer könnte es durch Bürgerentscheide auch nicht werden. Wie oben beschrieben ist die Wahrscheinlichkeit sogar gross, dass die Mehrzahl der vom Volk getroffenen Entscheidungen, wenn auch nicht in jedem Falle richtig, so doch zumindest besser ausfallen würden, als es heute der Fall ist.

    Es sind von den Medien einige Umfragen veröffentlicht, bei denen unsere sogenannten Volksvertreter auf dem Weg zu Abstimmungen über Gesetze waren, von denen sie nicht im geringsten wussten, um was es überhaupt geht.

    Siehe z.B. http://www.youtube.com/watch?v=q5J6XzINLK0&feature=PlayList&p=C17E0E9A0E950412&playnext=1&playnext_from=PL&index=40

    Weiterer Kommentar überflüssig.

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