Die Aborigines Australiens, von Gerhard Leitner
"smoking", "sorry time", "stolen generation", .....
Dieses kleine Büchlein mit seinen knapp 120 Seiten ist ein informatives Buch über die traurigen Geschichte der europäischen Kolonisation der vergangenen Jahrhunderte am Beispiel Australiens. Das Buch behandelt die Geschichte der Aborigines von der Urzeit (60000-40000 Jahre vor unserer Zeitrechnung) bis heute. Leitner, ein studierter Linguistik und Professor für englische Sprache an der Freien Universität Berlin, gelingt es kurz knapp und prägnant die Situation der heutigen Aborigines dar zu stellen.
Der Umgang mit den Ureinwohnern seit der Entdeckung von Australien, vermutlich durch Portugiesische Seefahrer im 16-17 Jahrhundert, ist ebenso brutal und verachtend gewesen wie damals bei der Entdeckung der Indianer Nordamerikas. Dabei gibt es nicht “den Aborigines” sondern um hunderte von Stämmen und Clans mit unterschiedlichen Religionen und Sprachen.
1770 erreichte James Cook die fruchtbare Ostküste Australiens und nahm das Land kurzerhand für die englische Krone in Besitz. Darauf folgend wurden die bis dahin in dieser reichen Küstenregion ansässigen Ureinwohner gewaltsam verdrängt. Der Goldrausch um 1850 beschleunigte die Einwanderungswellen. Bei dem zurück weichen der Aborigines zeigte sich dass vornehmlich ambilineal strukturiert Gruppen eine höhere Überlebenschance in Zentralaustralien, dem klimatisch lebensfeindlichsten Gebiet Australiens, hatten. Patrilineal- und matrilineal- strukturierte Gruppen blieben in den Küstenregionen. Zahlreiche Massaker an diesen küstennah verbliebenen Gruppen von Eingeborenen, die durch die Siedlungen der Eindringlinge ihre Lebensgrundlage zerstört sahen, sind überliefert.
Es folgte eine Politik der Segregation indem die Aborigines mehrfach in Reservate Zwangs-umgesiedelt wurden, um den Grad der Reinrassigkeit zu verringern. Als Assimilierungsversuch musste diese Taktik der Kolonialisierung scheitern, da sich die Clans der Aborigines aus religiösen kulturellen Werten mehr und mehr zurück zogen. Die Kolonialherren wandten fortan Programme der Eugenik an.
Die Eugenik Programme wurden nach dem zweiten Weltkrieg weiter betrieben und hatten ihren Höhepunkt in der gewaltsamen Trennung von aboriginen Eltern und Kindern, die noch bis in die 70er Jahre des 19 Jahrhunderts praktiziert wurden. Dieses Thema der “gestohlenen Generationen” wurde in Büchern und Romanen mehrfach in den 80er Jahren thematisiert und schließlich 2002 anhand eines authentischen Schicksals dreier- kleiner Mädchen verfilmt (“Rabbit-Proof Fence“). Viele Kinder kamen in Waisenhäuser und später in Familien, wo ihnen der Gebrauch der eigenen Sprache verboten wurde. Die meisten haben ihre Eltern nie wieder gesehen, oder sogar erfahren dass sie leibliche Kinder anderer Eltern sind. Auch diese Strategie war bewußt herbei geführt, den schon damals wusste man, dass eine Generation die ihre Sprache verliert selber verloren ist. Die Sprache ist das einzige menschliche Gefäß des aboriginen Wissens, dass sie von Generation zu Generation weiter gaben. Mit dem Verschwinden der Sprache verblasste auch die Kultur.
Man geht davon aus das der Anteil der aboriginen Bevölkerung bei dem Eintreffen der Europäer im 17 Jahrhundert um etwa 300.000 – 900.000 gelegen hat. Diese wurde von den Kolonialherren systematisch reduziert. Die Bevölkerung Tasmaniens war bereits um 1876 ausgerottet. Eine Volkszählung ergab 1930 eine Zahl von nur 70000 Aborigines. Schätzungen von 2001 belegen dass sich die Bevölkerungszahl wieder auf etwa 410000 erholt habe. Das Durchschnittsalter eines in der Wildnis lebenden Aborigines wird von Leitner mit 20 Jahren angegeben.
Die aborigine Bevölkerung leidet aber weiterhin unter der Jahrhunderte langen Okkupation der Neuankömmlinge. So gibt es unter den Aborigines einen hohen Anteil an Alkoholabhängigen sowie eine hohe Selbstmordrate, deren Grund in wissenschaftlichen Studien noch geklärt werden müsse.Viele Aborigines haben ihre Sprache verloren und sprechen heute das Pidginenglisch, eine aus Englisch und Ursprungssprache zusammen gesetzte Sprache.
Australien hat es noch nicht geschafft die eigene Schuld der kolonialen Vergangenheit auf zu arbeiten. Das beweisen immer wieder Gerichtsurteile bei denen Klagen von Bürgerrechtlern auf berechtigte Ansprüche auf Land und Reservate, nur all zu oft abgewiesen werden. Die politischen Verantwortlichen haben es noch nicht geschafft, eine historische Verantwortung zu übernehmen, was daran sichtbar würde wenn sich Regierungsvertreter offiziell für das Verhalten ihrer vorangegangenen Regierungen bei den Aborigines entschuldigen würden.
Abschließend geht Leitner auf die Kultur und Kunst der Aborigines ein, deren Elemente mit denen der Kolonialherren auf wunderbare Art und Weise verwachsen. Bekannt sind hierbei die sogenannten dot-paintings die im Gegensatz zu westlichen Bildern eine eigene Kodierung beinhalten und ganze Geschichten und Handlungen erzählen.
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