„Dumm, an der Wehrpflicht festzuhalten“ | Alternative Europa Plattform

„Dumm, an der Wehrpflicht festzuhalten“

27. Juli 2009
By AJG

sagte Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung gestern nicht.....

WehrpflichtWie gestern der Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) in einem Interview mit der F.A.Z. mitteilte hält er es für klug an der Wehrpflicht nach wie vor fest zu halten.

Dies sei die beste Wehr form in einer Demokratie. Er wolle auch an der Praxis von neun Monaten Dienst festhalten, gibt aber zu, dass man „nachjustieren“ müsse. Mit zur Zeit 250000 Soldaten wovon etwa 60000 Wehrpflichtige enthalten sind hat Deutschland eine recht kleine Armee. Jung geht im Verlaufe des Interviews auf die Wehrgerechtigkeit ein die weiter entwickelt werden müsse. Immerhin sehe er dort Nachjustier-Bedarf. Jung ist der Meinung dass 62% der Bevölkerung nach neuesten Umfragen an der Wehrpflicht festhalten wollen. Auf welche Umfrage er sich beziehe wurde nicht genannt weder habe der F.A.Z- Interviewer dies wissen wollen.

Nach einer Welt-Online Umfrage sind 78% gegen die allgemeine Wehrpflicht.  Nach der Zeit-Online sind 52% gegen die allgemeine Wehrpflicht. Die Liste der Ablehner ließe sich noch fort setzen.

Der Verteidigungsminister Franz Josef Jung verschweigt allerdings die gängige Praxis der europäischen Mitgliedstaaten wie beispielsweise England oder Frankreich, die aus gutem Grund eine allgemeine Wehrpflicht ablehnen. Angesichts der erheblichen Wehrungerechtigkeit auch im Hinblick auf Frauen und Männer (AGG) scheint es nur Plausibel das andere Länder eine Berufsarmee besitzen. Für Jung sind aber die persönlichen Mitteilungen abends beim Zusammensitzen mit “vielen seiner Kollegen” ausschlaggebend. Dies wirft er auch in dem Interview locker ein. Vermutlich sind mit seinen Kollegen Offiziere und Generäle gemeint die angeblich von anderen Verbündeten berichten die Schwierigkeiten hätten genügend freiwillige Soldaten zu rekrutieren.

Könnten möglicherweise Sinn und Zweck des Auftrages und die Bezahlung eine Rolle spielen? In Amerika sind es jedenfalls oftmals knallharte ökonomische Gründe die Bürger dazu bewegen in eine Armee ein zu treten, weniger die Überzeugung dem Land zu dienen.

Der Glaube das eine Wehrpflichtarmee für die Demokratie stabiler sei, konnte im Verlauf der Deutschen Geschichte und auch während des Interviews nicht geklärt werden. Schon jetzt ist aber eines klar. Moderne Waffen und die moderne Technik die im Verteidigungsfalle zum Einsatz kommt bedürfen teilweise Ausbildungsstufen auf Ingenieur Niveau. Wieso gerade einem 18 Jährigen Wehrpflichtigen Geräte und Aufgaben übertragen werden die seine Fähigkeiten übersteigen ist äußerst fraglich. Der junge Mensch verliert zudem wichtige Ausbildungszeiten in seinem Berufsleben, über deren Auswirkung sich Verteidigungsminister Jung wohl kaum Gedanken gemacht haben mag.

Ob junge Soldaten ihm gegenüber, wie Jung lobend erwähnt, wirklich das erzählten was sie wirklich bewegte sei fraglich. Soldaten sind i.d.R. diejenigen in einer Gesellschaft die am schärfsten in einer hierarchischen Organisationseinheit abhängig eingebunden sind wie kein Anderer. Warum sollten diese Herrn Jung vor den Augen ihrer Vorgesetzten heikle Themen ansprechen wollen. Eine anonyme Befragung wäre geeigneter gewesen hier wichtige Informationen zu erhalten.

Blickt man auf die Umfragen sollte man meinen das eine Abschaffung der Wehrpflicht unmittelbar bevor stünde, leider scheint die Mehrheit des Bürgerwillen durch persönliche Ansichten der gewählten Volksvertreter missachtet zu werden. So formuliert Herr Jung auch wie im militärischen Stiel:

“.…ragen. Deshalb habe ich entschieden, dass wir die Planstärke um 5000 Stellen erhöhen, um von denen der Bundeswehr tauglich zur Verfügung stehenden Jugendlichen 80 Prozent einberufen zu können. Mein….

Zum Raketenabwehrprogramm “Meads” bemerkt Jung dass er gerade erst seinem amerikanischen Kollegen Bob Gates geschrieben habe, dass er der Auffassung sei, man sollte an diesem Luftabwehrsystem festhalten. Zu dieser Frage scheint für Herrn Jung keine Rolle zu spielen was der Bürger eventuell hierzu sagen würde.

Resümee

Es kann nur gehofft werden das nach der Bundestagswahl am 27 September sich neue Perspektiven im Verteidigungsministerium ergeben. Eine Fortführung der bestehenden Politik im Verteidigungsministerium scheint in eine dem Bürger konträren Richtung zu weisen.


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2 Responses to „Dumm, an der Wehrpflicht festzuhalten“

  1. Josef on 3. August 2009 at 11:31

    Hallo, ja das gleich gefühl habe ich auch. Neulich habe ich ein Interview mit dem Sprecher zur Fragen Bundeswehr Reiner Arnold im DLF gehört. Zugegeben es war sehr früh am Morgen, aber er wirkte sehr müde und lahm.
    Interessant war dass auch er die 30% Wehrpflichtigen nicht missen möchte. Er sprach von einem interessanten Mix, der sonst fehlen würde, und die anderen Länder wie Frankreich und England täten ihre Entscheidung bedauern. Komisch woher weiß er denn was die Mehrheit denkt? Vielleicht sollte er mal die Mehrheit fragen anstelle überhebliches Großherzogtum und fürstentümliche Positionen zu beziehen.
    Wie gesagt sehr müde und schleppend war das Interview, schließlich rückte er dann doch mit dem eigentlichen Grund raus. Es seien die Kosten, denn wer solle denn die einfachen Aufgaben übernehmen. Denen müsse man ja dann einen ordentlichen Sold zahlen, das sei viel zu teuer.

    Solch eine Dummheit habe ich wirklich noch nie gehört, nur weil einige Politiker auf dem internationalen Parkett Präsenz zeigen wollen (manche sprechen sarkastisch von Krieg spielen) sollen tausende von jungen Männern und Frauen den Wehrdienst für 1 MAK Fufzig leisten?

    Was geschieht wenn wir die ersten Toten unsrer Kinder zu beklagen haben?

  2. Helmu Spannbauer on 30. Juli 2009 at 14:55

    Franz Josef Jung (CDU) ist ein sehr einfacher Mensch der sich bei seinen Stammtischbrüder sehr wohl fühlt. Entscheidungen werden immer während oder nach solchen Sitzungen getroffen.

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