Bachelor, Master, ein Desaster…….. | Alternative Europa Plattform

Bachelor, Master, ein Desaster……..

22. Juli 2009
By AJG

Katastrophale Zustände bei den neuen konsekutiven Studiengängen....

Diplom - Bachelor / Master   Studiengänge im Vergleich.

Diplom - Bachelor / Master Studiengänge im Vergleich.

Seit der Bologna-Erklärung im Jahre 1999 durch die damals 29 Europäische Mitgliedstaaten ist die vollständige Umsetzung in das neue konsekutive System der Bachelor und Master- Studiengänge fast abgeschlossen. Diese muss laut Statut bis Ende 2009 abgeschlossen sein. In den letzten 10 Jahren gab es nun parallel noch die alten Diplomstudiengänge die trotzdem noch sehr rege von vielen Studienanfängern gewählt wurden. Diese Studiengänge dürften nun abgeschafft sein, und Deutschland hat wieder einmal mehr ein Stück Identität an Europa verloren.

Dabei wollte man mit der Einleitung des Bologna Prozesses fortschrittlich und im Sinne eines internationalen Wettbewerbes vergleichbare Studiengänge vor allem mit unseren anglistischen europäischen und außereuropäischen Nachbarländern schaffen. Die Hochschulrektorenkonferenz wollte folgende Verbesserungen erzielen:

1. Schaffung vergleichbarer Abschlüsse

2. zweistufiges System (Bachelor / Master)

3. ECTS (European Credit Transfer System) Modell

4. studienbegleitende Modulprüfungen  (Keine Abschlußprüfung)

5. Urkunde, Zeugnis, Diploma Supplement

6. Qualitätssicherung durch externe Akkreditierung

Nun wo stehen wir heute? Fast alle Hochschulen haben ihre Studiengänge mehr oder weniger erfolgreich umgestellt. Leider musste die Qualität des Deutschen Studienganges wegen Punkt 1. vom Niveau her nach unten gezogen werden. Die Studiendauer wurde von i.d.R. 10 Semester eines Diplomstudienganges auf 6 Semester verkürzt. Das hierbei der zu vermittelnde Stoff naturgemäß drunter leiden musste ist verständlich.  Das (ECTS) European Credit Transfer System schlüsselt jetzt ausführlich die Unterrichtseinheiten mit den zu vermittelnden Stunden auf, ohne jedoch auf die Qualität des mehr oder weniger klassenverbandsmäßigen  Dozenten ein zu gehen. Klausuren werden zeitnah geschrieben, eine zentrale Abschlußprüfung findet nicht statt.  1 ECTS entspricht 30 Unterrichtsstunden oder einer Wocheneinheit. 1 Semester beinhaltet 60 ECTS und für den Bachelor braucht man etwa 180 ECTS, der Master verlängert sich nochmal um 120 ECTS auf insgesamt 300 ECTS. Wo hier die besondere Qualität der neuen Studiengänge sei ist nicht zu erkennen.

Worin liegen nun die besonderen Vorteile? Einmal werden erstmals die Studienzeiten auf ein festes Zeitfenster abgesteckt. In der Vergangenheit konnten Studenten auch schon mal länger studieren was den negativen Ruf des Langzeitstudenten geboren hat. Gleichzeitig sind durch diese Freiheit aber auch hervorragende Wissenschaftler und Innovationen kreiert worden deren Qualität heute in Frage gestellt wird. Dies ist dann auch Ursache des zweiten Zieles von Bachelor und Master, nämlich dass Themengebiet und Umfang abgesteckt bleibt. Die Studenten haben nicht mehr die Zeit und Freiheit über den Tellerrand hinaus zu schauen. Dies wird mehr und mehr von Studierenden bemängelt.

Als zweite Idee stand die Möglichkeit im Vordergrund dass die Bachelor Absolventen viel leichter die Hochschule wechseln können, da die Lehrinhalte vergleichbar abgesteckt seien. Die Bewerber für ein Master Studiengang können aber von der Hochschule abgelehnt werden, was auch rege genutzt wird (persönliche Mitteilung, Erfahrung). Meist schalten die Hochschulen einen bürokratischen Filter in das Bewerbungsverfahren, den nur die wenigsten erfüllen können. Das ist gängige Praxis.   Z.B. wird gerne eine erfolgreich bestandene Englisch Prüfung, durch zu führen bei einer ganz speziellen Sprachschule (meist lokal am weit entfernten Studienort, also mit Anreisekosten verbunden), mit Kosten in Höhe einiger hundert Euro für eine 60 minütige Prüfung verlangt. Ein Sprachzertifikat durchgeführt beim DAAD für 20 Euro wird oftmals nicht akzeptiert. Der Fantasie der Hochschulen sind bei der Ausgestaltung dieser zweifelhaften Machenschaften oft keine Grenzen gesetzt. Man sitzt ja am längeren Hebel. Eine Kontrolle findet nicht statt, der junge Bewerber wird demotiviert und frustriert und lernt schließlich dass nicht in erster Linie Leistung zählt.

Schaut man auf den sozialen Hintergrund der Studienanfänger ergibt sich folgendes Bild.  38% eines Alterjahrganges erwirbt in D die Hochschulzugangsberechtigung (2004),  71% hiervon nehmen ein Studium auf,  56% sind Kinder von Abiturienten,  28% sind Kinder von Realschülern,  16% sind Kinder von Hauptschülern.

Schaut man auf den sozialen Hintergrund der Studienanfänger ergibt sich folgendes Bild. 38% eines Alterjahrganges erwirbt in D die Hochschulzugangsberechtigung (2004), 71% hiervon nehmen ein Studium auf, 56% sind Kinder von Abiturienten, 28% sind Kinder von Realschülern, 16% sind Kinder von Hauptschülern.

Richtig problematisch wird es aber erst dann wenn die Studenten eines Masters Beispielsweise für 6 Monate ins Außland geschickt werden weil es der Studienplan so vor sieht. Da kam es dann schon mal vor dass Studenten von einer renommierten Deutschen Hochschule im Rahmen ihres Masterstudienganges nach Australien oder den USA geschickt wurden ohne vorher zu prüfen ob dieselbigen Studenten Anspruch auf BaföG haben. Hierauf hatte die Zertifizierung oder Akkreditierung kein Augenmerk gerichtet und offensichtlich  massiv versagt. Da die Studenten laut Studienplan als freie Forschungsmitarbeiter geführt wurden, konnten diese sich nicht immatrikulieren. Das BaföG Amt musste die Förderung verweigern weil es auf der Immatrikulationsbescheinigung beharrte. Das stellte der Studienganganbieter erst fest, als der betreffende Student schon in Australien bzw. den USA war.

Man stelle sich nun einen jungen Studenten ohne Mittel vor, der sich plötzlich mutterseelenallein in einem fremden Land befindet, aber bereits  in Vorleistung gegangen sind durch Flug, Unterkunft und dem Willen etwas zu leisten. Aber was kümmert es die Zertifizierer und Akkreditierer, die meist als Doktoren und Wissenschaftler mit satten Gehältern ausgestattet fern ab jeglicher existenzieller studentischer Realität sich befinden.

Als Resümee werden auch die Auswirkungen der Umstellung von Diplom auf Bachelor- und Master erst in Jahrzehnten sichtbar werden, möglicherweise dann aber zu spät für eine schnelle Korrektur. Fast scheint es das bei dem Bologna Prozess schlicht Quantität anstelle Qualität im Vordergrund standen. Möglicherweise getrieben durch wirtschaftliche Zenarien in denen ein zukünftiger Akademikermangel prognostiziert wurde. Ob wir diesen Qualitäts- und Innovationsverlust in unserer Ausbildung wieder aufholen können bleibt fraglich. Nicht ohne Grund wurden Jura, Medizin, Tiermdizin,Pharmazie und Lehramt von dieser Umstellung aus geklammert. Qualität kann manchmal doch das Überleben sichern helfen.


Besucher zum post: 285

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

One Response to Bachelor, Master, ein Desaster……..

  1. Josef on 23. Juli 2009 at 20:34

    Und mittlerweile erdreisten sich so manche Hochschulen dass von einem Bachelor Jahrgang höchstens die 30% der Besten eine Chance auf einen Master bekommen. Das wird sogar offiziell so den Studenten ins Gesicht gesagt. Es sind also von vorn herein nicht genügend Studienplätze vorhanden, völlig egal wie gut man wäre. Die pure Bürokratie und Demotivation.
    Deshalb kämpften so manche Studienanfänger auch um die letzten möglichen noch verbliebenen Studienplätze nach dem alten Modell. Ab 2010 heißt es “rien ne vas plus”, “nichts geht mehr”
    Wenn das wahr ist und sich nichts ändert, steuern wir langfristig auf eine Katastrophe ungeahnten Ausmasses zu…..
    Warum merken es nicht unsere gewählten Parlamentarier, Die Besten der Besten?

Get Adobe Flash playerPlugin by wpburn.com wordpress themes