Kernenergie und die Geister die wir riefen……
oder wie sicher und sinnvoll sind Deutsche Atomkraftwerke wirklich....
Eine chemisch aktivierte Energiequelle, altbewährt, aber möglicherweise ein Auslaufmodell?
Seit der Gründung der “Grünen” Partei in den 70′er und 80′er Jahren wurde die Problematik der Kernenergie erstmals politisch thematisiert. Zunächst als Wunderenergiequelle in der öffentlichkeit gefeiert kamen zunehmends die militärischen Verflechtungen immer mehr an das Tageslicht.
Die erste Kernspaltung wurde 1938 von Otto Hahn und Fritz Straßmann entdeckt und die Möglichkeit der Energienutzung erkannt. Leider konnte diese Erkenntnis nicht den Millitärs verborgen bleiben da schon damals die Physiker und Kernphysiker international kommunizierten.
Sofort wurde die Möglichkeit des Baues einer Bombe ungeahnter Sprengkraft erkannt, so daß fortan ein imaginärer Wettlauf zwischen Forschergruppen in Deutschland und den USA entbrannte. “Imaginär” deshalb weil Deutschland, wie sich später heraus stellte, nie an einer Bombe geforscht hatte. Die USA jedoch vermutete dieses Vorhaben und startete das “Manhattan-Projekt” zur Entwicklung einer funktionstüchtigen Atombombe, dessen Entwicklung bekanntermassen gegen Ende des Krieges durch Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki zum Einsatz kam.
Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde der ursprüngliche Gedanke der friedlichen Nutzung der Kernenergie weiter geführt. Es entstanden schon sehr bald die ersten Reaktoren, zunächst Versuchs- später dann wirtschaflich nutzbringende Kraftwerke wie es heute noch den Anschein hat. Auch heute nach der Entscheidung des Bundestages zum Atomausstieg im Jahre 2000 sind Fragen der Wirtschaftlichkeit gegenüber Nutzen- Risiken- und Kostenbetrachtung nicht geklärt.
Die Überlegungen wurden erstmals am 28.3.1979 in Gang gesetzt als das Kernkraftwerk auf Three Miles Island in Harrisburg durch eine partielle Kernschmelze des Reaktors die Gefährlichkeit dieser Technologie aller Menschen vor Augen hielt. Dieser größtmögliche erdenkliche Unfall wurde damals von den Risikoanalysten auf zu vernachlässigende Risiken im PromilleBereich ausgewiesen. Eine Kostenbetrachtung der Folgebelastung für die Allgemeinheit war damals niemals in Kosten- Wirtschaftslichkeitsbetrachtungen mit einbezogen.
Ein zweiter Gau erfolgte im Jahre 1986. Es war der 26.4.1986 als ein weiterer Reaktor in Tschernobyl eine partielle Kernschmelze durch menschlichen Versagens erlitt, wie später eine Untersuchnungskommission verlauten ließ. Als damaliger Student im kernphysikalischen Praktikum der Unniversität Karlsruhe erinner ich mich noch genau an die gemessene Untergrundstrahlung die in diesen Tagen um einige Zehenerpotenz höher lag als diejenigen Werte meiner Kollegen vorangegangener Wochen. Meine damals 3 und 5 Jährigen Kinder durften an diesen Tagen nicht auf den Spielplatz in den Sandkasten. Das Gro des FallOut ging damals auf Grund des Wetters in Finnland und Norwegen nieder.
Erst im Jahre 2000 wurde dann in Deutschland auf Druck des mehr und mehr ökologisch denkenden Bürgers der Ausstieg aus der komerziellen Nutzung der Kernenergie bis etwa 2020 beschlossen.
Die Kernenergie liefert aber heute noch weltweit mit 210 AKW’s etwa 372GW Leistung, das entspricht etwa 16% der auf unserem Globus von Menschenhand erzeugten Energie. Wenn die Ausweitung der Kernenergie so weiter vorran schreitet wie bisher dürften die Uranvorkommen etwa im Jahre 2050 erschöpft sein. Sollten die Chinesen wie kürzlich angekündigt in folgenden 10 Jahren 20-30 Reaktoren neu bauen wollen so wird sich dieser Prozess verschärfen.
Die Kenntniss über die Begrenztheit des spaltbaren Materiales dem Uran 235 führte zu neuen Technologien der Anreicherung von Plutonium 238 mit Reaktoren höherer Brennstoffausnutzung und komplexerer Kreislaufstrukturen. Leider ging die Bombenentwicklung in den militärischen Forschungseinrichtungen auch einher mit der Entwicklung neuer Isotopenanreicherungsverfahren. Heute wäre eine Atommacht ohne diese Technologie nicht denkbar, da es nicht autonom in der Lage wäre effiziente Atombomben zu bauen. Der Schnelle Brüter in Kalkar am Niederrhein war ebenso ein Reaktor dieser neueren Technologie. Dieser Reaktor verschlang über jahrzehntelange Bauzeit Milliarden von Summen, ging jedoch niemals ans Netz. Teilweise wurden neu installierte Meßtechnik wieder herausgerissen und durch neue ersetzt, da über die lang andauerbnde Bauzeit wieder neue Geräte auf dem MArkt waren. Heute ist das Areal umfunktioniert in einen Freizeitpark.
Es schlummern noch weitere Risiken dieser Technologie im Argen, deren Lösung noch in weiter Ferne gerückt zu sein scheint. Was sollen wir mit dem Müll anfangen der als radioaktiver Abfall mit einer schlappen Halbwertszeit von 24000Jahren vor sich hin strahlt? Deutschland hat keine Endlagerungsstätte und produziert dennoch tagtäglich hochradioaktiven Abfall der dann später über unsere Strassen und Schienennetze in Castor-Behältern hin und her gefahren wird.
Zwar ist die CO2 Emission eines AKW’s etwa nur 16-23 Gramm CO2/kWh (Kohle : 950-1150 Gramm CO2/kWh), dieser Wert düfte sich aber noch verschlechtern wenn man an nimmt dass die pro Tonne Uran um zu wälzenden Abraum von heute 1000-40000 Tonnen vermutlich noch drastisch weiter ansteigen wird.
Die Frage ob es sich bei der Kernenergie nun um eine saubere umweltfreundliche Energiequelle sei sollte nicht nur anhand der CO2 Bilanz beantwortet werden.
Wenn dieser Tage nun ernsthaft in Erwägung gezogen wird wie neulich durch Kanzlerin Merkel angestoßen, den Ausstieg aus der Kernenergie zu überdenken, so muß zumindest eines gefragt werden. Sind die Fakten die zum Ausstieg geführt haben schon so schnell in Vergessenheit geraten oder veraltet?
Warum werden neue zukunftsträchtige Technologien wie die Kernfusion nicht viel mehr gefördert? Diese Technologie würde die Kraftwerkslandschaft wirklich revolutionieren. Die Energiequelle ist hierbei der umgekehrte Prozess der Kernspaltung. Hierbei wird Wasserstoff zu Helium verbrannt wie es auch unsere Sonne teilweise tut. Zur Zeit gibt es zwei Großprojekte hierzu. Das eine ist ein internationales Projekt genannt ITER welches einen nach dem TOKAMAK Prinzip basierenden Reaktor zur Zeit in Caderache in Frankreich errichtet, das zweite ist ein Europäisches Projekt dem “Wendelstein” in Greifswald.
Beide Projekte werden im kommenden Jahrzehnt fertig gestellt sein. Der TOKAMAK ist ein zyklischer Reaktor (10min charge;1min burn), der zweite ist ein kontinuierlicher Reaktor dem wohl mehr Erfolgsaussichten für einen sicheren und effizienten Betrieb gegeben werden.
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hier ein Link von Campact http://www.atomkraft-abschalten.de/atom2/sn3/signer für eine Unterschriften-Aktion zur Abschaltung der AKW’s