H1N1-Schweinegrippe, reagierte die WHO zu spät…….. | Alternative Europa Plattform

H1N1-Schweinegrippe, reagierte die WHO zu spät……..

15. Juni 2009
By AJG

oder waren die Reaktionen der Verantwortlichen Wissenschaftler angemessen und mit Augenmaß getroffen?

Laboruntersuchung von Viren unter dem Mikroskop.

Laboruntersuchung von Viren unter dem Mikroskop. Foto ©aep-d.de 2009

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat letzten Donnerstag (09.06.2009) für die Schweinegrippe die höchste Warnstufe 6 ausgegeben und diese somit zu einer ausgewachsenen Pandemie erklärt. Ob damit die WHO-Generaldirektorin Mrs. Margaret Chan zu spät gehandelt hat, werden die nächsten Wochen und Monate bis in das Jahr 2010 zeigen.

Die Medien und die WHO wies zwar immer auf die Gefährlichkeit dieser im April des Jahres in Mexico erstmals aufgetretenen Grippevirenstammes hin warnen aber zugleich gebetsmühlenartig vor “Panikmache”. Warum man einerseitz vor einer Gefahr warnt diese aber gleichzeitig wieder realativiert zeugt von der Unentschlossenheit oder der Schwierigkeit einer sicheren Prognose..

Deutschland und wohl die meisten westlichen europäischen Mitgliedstaaten mögen für die nun um sich greifende Pandemie so gut ausgerüstet und vorbereitet sein wie kein anderes Land. Dies kann nur bedingt beruhigen wenn man sich einmal mit der einschlägigen Literatur zu dem Thema Influenza-Stamm und den damit verbundenen Pandemien beschäftigt hat.

Das Herunterspielen der Gefahr durch beschwichtigende Verhaltensweise und hinweis auf  Sterblichkeitsraten anderer Bereiche (Verkehrstote, Krebstote,….)  ist ebenso unverantwortlich wie ein zu spätes Handeln was weitaus gefährlicher sein dürfte als darüber ausgiebig zu informieren.

Da die Grippeviren sich sehr leicht meist durch Tröpfcheninfektion schnell verbreiten und innerhalb weniger Generationen mutieren dürften wirksame Impfstoffe nur bedingt helfen. Hier entscheidet die zukünftige Entwicklung bei der Geschwindigkeit der Impfstoffentwicklung.

Die zur Zeit verfügbaren Medikamente “Tamiflu” und “Relenza” basieren auf den Wirkstoff Oseltamivir der als Neuraminidasehemmer fungiert.  Die Viren haben Vorrichtungen in die Zelle ein zu dringen, sich dort zu vermehren zu lassen und sich anschließend wieder von den Zellen abzulösen. Dieser Ablöseprozess wird Neuraminidase genannt und ist ein Fachbegriff aus der Molekularbiologie. Der Prozess des Eindringens oder Andockens geschieht mittels des Hämaglutins.

Oseltamivir der Wirkstoff des Neuraminidase-Hemmers der Influenza-Viren..

Oseltamivir der Wirkstoff des Neuraminidase-Hemmers der Influenza-Viren..

Da es 16 verschiedene Hämaglutin Molekühle zum Andocken gibt kennt man bis heute 16 verschiedene Varianten. Bei den Neuraminidase Prozessen sind bis heute neun verschiedene Varianten bekannt.  Somit ergeben sich Bezeichnungen von H1-H16 und N1-N9. Die Spanische Grippe von 1918 bis 1920 war ebenfalls vom Typ H1N1.

Somit ist das bestehende Medikament nur ein Medikament welches den Vermehrungsprozess aufhalten oder verlangsamen kann. Die Infektion selbst läßt sich nicht aufhalten und im weiteren Verlauf der Krankheit muss das eigene Immunsystem die Hauptarbeit übernehmen. Je früher das Medikament verabreicht wird desto besser ist die Genesungswarscheinlichkeit.

Meist treten Grippewellen in mehreren Schüben auf. Wie aus der Vergangenheit bekannt, mutieren die Influenza-Stämme und können in den Wintermonaten noch einmal verstärkt zu einer Infektionswelle führen. Fast alle Influenza Viren befallen vorwiegend die Atemwegsorgane und führen im tödlichen Verlauf zum Funktionsausfall der Sauerstoffversorgung.

Die große Sorge die nun Statistiker, Epidemiologen, Biologen und Mediziner bewegt sind letztendlich nüchterne Zahlen wie Ausbreitungsgeschwindigkeit, Letalitätsrate (Sterblichkeitsrate) und Inzidenzrate(Neuerkrankungsrate). Gewöhnliche Grippe Stämme haben ein sogenanntes U-Profil, d.h. einem erhöhtem Risiko mit Komplikationen für besonders junge und besonders alte Menschen. Patienten im mittleren Alter haben gewöhnlich genügend Abwehrkräfte damit besser fertig zu werden. Der Neue Typus H1N1 ist durch den Krankheitsverlauf ein Typus mit einem sogenannten W-Profil, d.h. einem erhöhtem Risiko auch für Patienten im mittleren Alter, z.B zwischen 20-50 Jahren.

Zur Zeit existieren keine Verlässliche Daten über die sehr wichtige sogenannte Letalitätsrate (Mortalitätsrate). Jene Rate gibt an wie viel Prozent der an dem Virus infizierten Patienten sterben. Dieser Wert hängt von sehr vielen Parametern ab und kann je nach Gebiet und Land stark variieren. Bei der Spanischen Grippe wurden Letalitätsraten für die gesamte Welt von 0,5%-6% abgeschätzt.

Welche Maßnahmen könnten getroffen werden?

Das  Tragen von Schutz- bzw. Atemmasken verpflichtend für alle Bürger in der Öffentlichkeit und im Betrieb.

Absagen und Aussetzen von Massenveranstaltung (Fußball, Oper,……) .

Kontaktvermeidung bei Begrüßung, ( z.B. Händeschütteln und Umarmungen….)

Im weiteren Verlauf der Ausbreitung empfiehlt sich die Einstellung von Produktion und Reduzierung der Verwaltung,  (Notbesetzungspläne..).

Verabreichung von Medikamenten mit dem Wirkstoff “Oseltamivir” im Verdachtsfall der Infektion.

Welche Massnahmen könnten vorbeugend getroffen werden?

Firmen und Unternehmen sollten Atemschutzmasken in ausreichenden Mengen für ihre Mitarbeiter bereit halten. Gewöhnlich werden 2-3 Atemmasken pro Arbeitstag benötigt. Diese Anschaffung sollte schon im Vorfeld getätigt werden.

Die Unternehmen sollten Notfallpläne erarbeiten die eine Notbesetzung beinhalten und möglichst diejenigen Mitarbeiter berücksichtigt die Angehörige und Kinder zu versorgen haben. Der Betriebsrat sollte in diese Pläne eingebunden werden.

Betriebsräte sollten im Vorfeld Betriebsvereinbarungen treffen die eine Regelung über die bei einer Pandemie auftretenden Arbeitsausfälle und deren Vergütungsproblematik regelt. Leider sind derartige Betriebsvereinbarungen noch weitestgehend unbekannt. Oftmals stoßen derartige Bestrebungen leider zu oft auf Schmunzeln und Unverständnis.

Wie effektiv kann die WHO als kontrollierendes Organ für lokal auftretende Seuchen und Pandemien sein?

Die WHO wird weiterhin eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Seuchen und Pandemien in der Welt spielen. Man kann der WHO-Generaldirektorin Mrs. Margaret Chan keinen Vorwurf machen sie hätte die Weltöffentlichkeit zu spät informiert. Bei dem kürzlich aufgetretenen Grippevirus in Mexiko oder wie in den Vergangenen Jahren  in Thailand oder China ist es entscheidend möglichst schnell die richtigen Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Dennoch empfiehlt sich für jeden einzelnen Staat und deren Gesundheits- Organisationen oder Ministerien selbst zu handeln. Ein Warten auf die Entscheidung von übergeordneten zentralistisch geführten Organisationen kann letztendlich “tödlich” sein.


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5 Responses to H1N1-Schweinegrippe, reagierte die WHO zu spät……..

  1. Josef on 14. Juli 2009 at 21:48

    Ein Artikel zum Thema geeignete Atemschutzmasken.

    http://www.offenes-presseportal.de/gesundheit_medizin/geeigneter_atemschutz_bei_schweinegrippe-gefahr_75717.htm

  2. AnjaF on 2. Juli 2009 at 14:47

    Kennen Sie das deutsche Schweinegrippen-Mantra? Es lautet: „Wir sind bestens vorbereitet. Im Hintergrund laufen die Maßnahmen. Kein Grund zur Panik!“ Die zuständigen Behörden haben es geprägt. Das beruhigt doch. Oder etwa nicht?

    Aus kommunikativer Sicht ist das ein Offenbarungseid.
    Warum das so ist, steht hier:
    http://www.pr-agentur-blog.de/archives/278-Krisenkommunikation-im-Pandemiefall-Schweinegrippe.html

  3. Agraefenstein on 22. Juni 2009 at 20:55

    Wer wissen möchte wer zahlen muss, wenn das Gesundheitsamt jemanden in Quarantäne steckt oder sonst wie untersagt wegen einer Ansteckungsgefahr zur Arbeit zu erscheinen, schaue bitte beim § 56 Entschädigung des Infektionsschutzgesetzes – IfSG

    http://www.buzer.de/gesetz/2148/

  4. ManfredP1961 on 16. Juni 2009 at 23:29

    Hier der aktuelle Link der Bundesregierung zum Thema

    Antworten des Bundesministeriums für Gesundheit und des Robert Koch Instituts auf häufig gestellte Fragen zur Neuen Grippe

  5. ManfredP1961 on 15. Juni 2009 at 08:51

    Auf jedenfall wurde hier von der WHO zu spät gehandelt.

    In den letzten Tagen ist auch hier im Köln / Düsseldorfer Raum eine erhöte Anzahl von Meldungen zur Schweinegrippe zu verzeichnen.

    Es wurden mindestens 46 Kinder der Japanischen Schule in Düsseldorf und drei Eltern positiv auf das Virus getestet. Die Schule ist nun bis zum 20.Juni erstmal geschlossen, die Kinder und Ihre Familien stehen nun unter häuslicher Quarantäne.

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