Zins- und Zinseszins | Alternative Europa Plattform

Zins- und Zinseszins

2. Juni 2009
By AJG

Zins- und Zinseszins, wie ein Dogma sich über die Jahrhunderte etablierte...

Der folgende Artikel beschäftigt sich mit der Theorie des Zins- und Zinseszins Systems und den sich hieraus ergebenden Gleichgewichtsstörungen von Wirtschaftssystemen wie wir diese heute erleben. Der Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit möchte aber das Thema in der breiten Öffentlichkeit thematisieren und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen.

Wer wurde nicht schon einmal von seinen Kindern gefragt wieso denn Geld überhaupt selbst arbeitet und wieso es eigentlich Zinsen gibt wenn dieses auf dem Sparbuch liegt. Besonders interessant oder amüsant zu erfahren was unsere Wirtschaftsexperten, Wirtschaftsprofessoren oder gar die Wirtschaftsweisen hier ihren Kinder geantwortet haben mögen.

Wir wissen es nicht, aber angesichts der aller Orts akzeptierten Zinsprodukte wie Sparbücher, Krediten und Sparverträgen können wir vermuten dass diese Antwort eigentlich niemanden wirklich interessiert solange man selber davon profitiert.

Denkt man aber weiter so muss man anerkennen dass es nicht ganz so einfach ist. Geld- und Kapital- Markt sind voneinander Grundverschieden aber eng miteinander verknüpft. Kapital ist ein Überbegriff jeglicher Werte der sich aus Land, Immobilien, Edelmetallen und auch Geld zusammen setzen kann. Alle Kapitalwerte außer das Papiergeld lassen sich nicht unbegrenzt vermehren da diesem physisch Grenzen gesetzt sind. Bei sogenannten „immatriellen Werten” ist man sich da nicht mehr so sicher.

Beispiele wie der „Josephs-Pfennig” zeigen klar die Absurdität des Zins und Zinseszins Systems wenn dieser Geldvermehrung nichts entgegengesetzt wird. Hätte Josef bei der Geburt Jesus einen Pfennig zu einer Bank gebracht und ca. 4% Zinsen erhalten so wäre der Zinseszins Wert in Gold ausgedrückt heute ca. 132 Mrd Gold-Erden, also Erdkugeln aus purem Gold wert. Jeder wird nun einsehen dass wir zwangsläufig zyklisch in Probleme geraten müssen, nicht weil wir dem Sparer seinen Gewinn neiden würden sondern weil es zu gesellschaftlichen Problemen kommen muss da die Verteilungskämpfe um Kapitalwerte irgend wann einsetzen. Die realen Werte, und Güter auf unserem Planeten sind begrenzt.

Wir wollen im folgenden nur das Geld betrachten welches heute als Papiergeld oder Giralgeld kaum einen physischen Gegenwert besitzt wie es einst Geldmünzen aus Edelmetallen hatten. Schon immer haben Menschen und Organisationen versucht die hieraus entstehenden zyklischen gesellschaftlichen Instabilitäten und Wechselkursschwankungen zu begrenzen. Es entstanden Organisationen wie die GATT (General Agreements on Tariffs and Trade) oder später dann der IWF (Internationaler Währungsfond). Nach dem Zusammenbruch fester Wechselkurse 1973 stand die Weltgemeinschaft vor neuen Herausforderungen. 1995 wurde die WTO (World Trade Organization) gegründet, wohlgemerkt alles Organisationen deren Ziel es ist den Handel zu fördern und Wechselkursschwankungen der Währungen zu minimieren. Keine der vor genannten Organisationen fragte nach der Sinnhaftigkeit des Zinses. Zurück zur Währung und damit zum Geld bzw. zum Giralgeld deren zwischenstaatliche Transaktion immer rafinierter und undurchsichtiger für den Bürger wurde.

Als Giralgeld wollen wir jenes Geld bezeichnen welches durch reine elektronische Buchwerte auf den Konten der Bankkunden geführt und gehandelt wird und keine natürliche Grenze wie dies am Beispiel des „Josephs-Pfennig” beschrieben wurde besitzt.

Die Entstehung des Papiergeldes (11 Jh, China) der Vorstufe des Giralgeldes ist eng mit der Bildung von Großbanken und Finanzimperien verbunden. Die Bildung von ersten Banken und Finanzimperien gehen auf das 14. Jh zurück (Fugger, Medici,Link). Das Papiergeld sowie das Giralgeld ist eine Grantie für eine zukünftig einzulösende Gegenleistung die garantiert wird solange sich der Wert oder die Kaufkraft nicht wesentlich ändert.

Was erleben wir nun in den letzten Jahren und Jahrzehnten?

Seit Jahren nimmt die Geldmenge weltweit drastisch zu, auch weil diese nicht mehr an Gegenwerte gekoppelt ist. Der Grund hierfür sind die Zinsforderungen der Sparer die ihre Versprochenen Zinserträge abfordern. Das Problem sind nun nicht die kleinen Sparer sondern diejenigen Vermögenden mit Summen im 9 Stelligem Vermögensbereich.

Das Finanzsystem reagiert nun dergestalt dass es das Wirtschaftssystem als Quelle zur Mehrwertschöpfung nutzen muss, da sonst die nötigen Zinserträge nicht erwirtschaftet werden können. Die Akkumulation von Vermögenswerten bietet dem Besitzenden völlig neue Möglichkeiten der Machtausübung und Festigung der eigenen Position. Bestechung und Einflußnahme von Politik können die Folge sein. Die einzelnen Prozesse sind hier  zu Vielfältig und Kompliziert als dass man sie hier erörtern könnte.

Es kommt jedenfalls fast immer zu Verteilungskämpfen und Instabilitäten wie man dies aus den geschichtlichen Daten der Vergangenheit heraus lesen kann. Meist kommt es zunächst über mehrere Jahrzehnte langsam zu Vermögensungleichverteilung die immer heftigere Verteilungskämpfe initiieren. Am Ende steht fast immer eine Art Währungsreform.

Mit einer Währungsreform wird faktisch die girale Vermögensungleichverteilung aufgehoben. Da nun alle Wirtschaftsteilnehmer wieder auf gleicher Augenhöhe miteinander durch ihrer eigene Leistung miteinander handeln. Beflügelt durch Leistungsbereitschaft und Wohlstand der breiten Masse kommt es  zu Effekten wie die eines Wirtschaft-Booms. Mancherorts wird dieser als “Wirtschaftswunder” bezeichnet. Dieser kann wiederum einige Jahrzehnte anhalten bis zu dem Zeitpunkt da die Vermögensungleichverteilung wieder weiter Verteilungskämpfe einleitet.

Es gibt viele Lösungen für ein stabiles Finanz- und Wirtschaftssystem wenn man diesen Prozess erst einmal erkannt hat. Entscheidend ist aber dieses zu wollen und vor allem zu Erkennen dass unser gegenwärtiges System einen „eingebauten Systemfehler” in sich birgt. Es ist zu vermuten dass diese Mechanismen besonders in unserer Politik noch zu wenig bekannt ist, oder aber man beraten wird aus Kreisen die andere Interessen verfolgen.

Es geht nicht darum Neid und Missgunst dem Vermögenden gegenüber zu hegen, es geht in erster Linie darum gesellschaftliche Instabilitäten wie Kriege und Armut zu vermeiden. Exponentielles Wachstum ist für jedes biologische System tödlich. Auch unser bestehendes Finanzsystem hat exponentiell eingebaute Wachstumsfaktoren die nicht funktionieren können.


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2 Responses to Zins- und Zinseszins

  1. ManfredP1961 on 5. Juni 2009 at 07:42

    Diese nette Geschichte kreist schon seit einigen Jahren im Internet:

    “Es war einmal ein kleines Dorf im australischen Busch. Dort bezahlten die Menschen alles mit Naturalien. An jedem Markttag spazierten sie mit Hühnern, Eiern, Schinkenkeulen und Broten herum und verhandelten lange miteinander über den Tausch der Güter, die sie brauchten.

    In wichtigen Zeiten im Jahr, etwa zur Ernte oder wenn jemand nach einem Unwetter seinen Stall reparieren mußte, erinnerten sich die Menschen wieder an die Tradition, einander zu helfen, die sie aus der alten Heimat mitgebracht hatten. Jeder wußte, wenn er einmal in Schwierigkeiten geraten sollte, würden die anderen ihm helfen.

    An einem Markttag tauchte ein Fremder auf. Er trug glänzende schwarze Schuhe und einen eleganten weißen Hut und beobachtete das Treiben mit einem sardonischen Lächeln. Beim Anblick eines Farmers, der verzweifelt versuchte, die sechs Hühner einzufangen, die er gegen einen großen Schinken eintauschen sollte, konnte er sich das Lachen nicht verkneifen. »Die armen Leute«, stieß er hervor, »wie primitiv sie leben.«

    Die Frau des Farmers hörte seine Worte und sprach ihn an. »Meinen Sie, Sie kämen mit den Hühnern besser zurecht?« fragte sie ihn. Mit den Hühnern nicht«, erwiderte der Fremde, »aber es gibt einen viel besseren Weg, sich den ganzen Ärger zu ersparen.« »Ach ja, und wie soll das gehen?« »Sehen Sie den Baum dort?« sagte der Fremde. »Ich gehe jetzt dorthin und warte, bis einer von euch mir eine große Kuhhaut bringt. Dann soll jede Familie zu mir kommen. Ich werde euch den besseren Weg erklären.«

    Und so geschah es. Er nahm die Kuhhaut, schnitt gleichmäßige runde Stücke davon ab und drückte auf jedes Stück einen kunstvoll gearbeiteten, hübschen kleinen Stempel. Dann gab er jeder Familie ein rundes Stück und erklärte, daß es den Wert von einem Huhn habe. »Jetzt könnt ihr mit den Lederstücken Handel treiben anstatt mit den widerspenstigen Hühnern.«

    Das leuchtete den Farmern ein. Alle waren sehr beeindruckt von dem Mann mit den glänzenden Schuhen und dem interessanten Hut. »Ach, übrigens«, meinte er noch, nachdem jede Familie ihre zehn runden Lederstücke entgegengenommen hatte, »in einem Jahr komme ich zurück und sitze wieder unter diesem Baum. Ich möchte, daß jeder von euch mir elf Stücke zurückgibt. Das elfte Stück ist ein Unterpfand der Wertschätzung für die technische Neuerung, die ich in eurem Leben eingeführt habe.«

    »Aber wo soll das elfte Stück denn herkommen?« fragte der Farmer mit den sechs Hühnern. »Das werdet ihr schon sehen«, erwiderte der Mann und lächelte beruhigend.

    Angenommen, die Bevölkerungszahl und die Produktion bleiben im folgenden Jahr genau gleich, was, glauben Sie, wird geschehen? Bedenken Sie, daß das elfte Lederstück gar nicht abgeschnitten wurde. Darum, so lautet die Schlußfolgerung, muß jede elfte Familie ihre gesamten Lederstücke verlieren, auch wenn alle gut wirtschaften, den nur so können die übrigen zehn ihr elftes Stück bekommen.

    • agraefenstein on 5. Juni 2009 at 14:38

      …….
      Als das nächste Mal ein Unwetter die Ernte einer Familie bedrohte, waren die Menschen nicht so schnell bei der Hand mit dem Angebot, beim Einbringen der Ernte zu helfen. Zwar war es wirklich sehr viel bequemer, an Markttagen nur die Lederstücke auszutauschen und nicht die Hühner, aber die neue Sitte hatte die unbeabsichtigte Nebenwirkung, daß sie die traditionelle spontane Hilfsbereitschaft im Dorf hemmte. Statt dessen entwickelte das neue Geld einen systembedingten Sog zum Wettbewerb zwischen allen Beteiligten.

      Habs nach längerem Suchen gefunden. Übrigens der Link ist generell lesenswert.
      http://www.mah-medienshop.de/news/Geist_des_Geldes.pdf

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